maiersinbontoc

Flohzirkus

Ein Kommentar

2.1.2013Flohzirkus

Wir haben den Zirkus rund um die Flöhe satt. Seit dem Einzug ins Chocolatte House leben wir mit Flöhen zusammen und zwar auf allen Stockwerken, zu jeder Tages- und Nachtzeit und überhaupt.

Wir haben uns auch schon schlau gemacht auf deutschsprachigen Ratgeberseiten:

  • Kammerjäger rufen – wer zahlt das Flugticket, denn hier gibt es die Berufssparte nicht, sowas macht hier jeder selber.
  • Ausräuchern – nur wirklich effektiv, wenn man geschlossene Räume hin bekommt. Im Chocolate House – was seines Zeichens ein Holzhaus mit Glas-Lamellen-Fenstern ist – etwas müßig.
  • Staubsaugen – wir haben mal einen in einem Missionshaus in Baguio gesehen, hier gibt es vielleicht noch so antike Bonermaschinen, aber in Bontoc hab ich weder im Gebrauch noch in einem Laden so etwas wie einen Staubsauger gesehen – da wir mittlerweile mit vielen Menschen im Gespräch waren, haben wir tatsächlich einen Handstaubsauger ausgeliehen – nichts ist unmöglich…
  • Wäsche auf 90 Grad waschen – auch das halten wir bei Handwäsche für nicht so gesund. Vor allem wer soll das ganze Wasser für die Klamotten von 5 Leuten abkochen – so ein Kessel fasst ja vielleicht 2 Liter.

Die Devise: für alle lokalen Herausforderungen gibt es auch lokale Herangehensweisen – und diese fordern uns gerade etwas heraus.

  • Auf Anraten, haben wir alle Vierbeiner vor die Tür gebeten, leider haben sie uns jeweils mindestens einen Floh-Wanderzirkus im Haus hinterlassen.
  • Aus der Öko-Ecke kam der Tipp: gegen alles ist ein Kraut gewachsen. Wir hatten zwei Tage lang die Blätter von „Sunflowers“ gesammelt (wächst praktisch wie Unkraut – vielleicht vergleichbar verbreitet wie Brennesseln, brennt nicht riecht dafür streng – ob es tatsächlich in die Kategorie Sonnenblume fällt wissen wir nicht). Damit haben wir dann Fensterrahmen und Boden eingerieben und das soll Ungeziefer draußen halten – davon haben unsere Flöhe nicht viel gehalten…
  • Wir haben dann die Chemiekeule ausgepackt und ein Insektizid gesprüht – wie gesagt, geschlossene Räume gibt es hier nicht und ein paar Flöhe saßen dann wohl im Frischluftbereich…
  • Sämtliche Matrazen und auch Stofftiere genießen mehrmals in der Woche ein ausgiebiges Sonnenbad (siehe Foto) und davon versprechen wir uns getrocknete Flöhe – ist vielleicht als Alternative zum heiß Waschen zu sehen…
  • Gerade brennen Kerzen in Wassereimern und Schüsseln, wir hoffen dass einige Flöhe heute Nacht dahin hüpfen und keinen Freischwimmer haben…
  • Ansonsten haben wir schon die nächste Chemiekeule organisiert: da wird dann mal Pulver gestreut, dass hoffentlich auch einige um die Ecke bringen wird. Wie solches Vorgehen mit unserem Öko-Verständnis und mit kindgerechtem Umfeld zu vereinbaren ist, können wir nicht weiter erklären…

Vielleicht veranschaulicht dieses Beispiel ganz gut unser Ankommen. Ja: wir sind hier in den Philippinen und einiges sieht so aus wie in Deutschland und wir ticken da auch sehr deutsch. Nein: das hier ist nicht Deutschland, hier gibt es einige sehr philippinische / regionale Themen und wir ticken eben nicht philippinisch / finuntoc. D.h. für ganz alltägliche Dinge brauchen wir Tipps und Unterstützung von Nachbarn, Kollegen, Ladenbesitzern etc. Und wenn wir auch noch immer über die drei Monate Eingewöhnungszeit schmunzeln – wir sind ja jetzt schon vier Wochen da – realisieren wir genau an diesen Stellen, dass Ankommen eben nicht mal schnell in einem Monat geht. Dieses Floh-Thema beschäftigt uns nun schon über einer Woche – und wir stellen keine Fotos von den tollen Floh-Leiter-Bissen an Armen und Beinen ein, wobei die wahrscheinlich von einem medizinischen oder parasitoligischen Hintergrund durchaus beachtenswert wären…

Noch eine Ergänzung: wir wissen nicht, ob wir den Flohzirkus in den Griff bekommen, ob wir ihn je ganz beseitigen können – und wir fragen uns, ob die Leute tatsächlich meinen, dass die Flöhe sicherlich bald weniger werden würden und dann bald auch ganz weg sind… sagen sie so etwas, weil sie aus Erfahrung sprechen und uns Sachwissen weiter geben – oder weil sie damit einfach ihr Mitgefühl für unsere Problemchen ausdrücken wollen, also eher eine Aussage ohne Sachgehalt sondern auf der Beziehungsebene…

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

Ein Kommentar zu “Flohzirkus

  1. Hallo Nicola, hallo Christian
    gestern hat mir Alex Euren Link gegeben und heute habe ich mit einer Kollegin über Flöhe geredet (ich fahre in zwei Wochen nach Pakistan) und dann lese ich Euren Blog: Flohplage. In Madagaskar hatte ich das auch und dort gab es „encaustique“, wie ich in Google gefunden habe eine Art Bonerwachs aus: „Turpentine“ , also added to many cleaning and sanitary products due to its antiseptic properties and its „clean scent“. Gut für Holz, das man damit einreiben kann und ich kann es aus vier Jahren Madagaskar bestätigen, es hilft!
    Vielleicht gibt es das irgendwo auch für Euch. Viel Erfolg bei der Flohplage und alles Gute
    Gruß aus Duisburg

    Veronika

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