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MAPANKAYO SUMARUNO

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05.22.2013Paraceliscouplesoder übersetzt: „Wir gehen weiter“ – und zwar im übertragenen Sinne geht es darum das Thema zu wechseln. In Paracelis haben wir mit unserer Kollegin Magda einen workshop für junge Paare angeboten. Nach der bereits beschriebenen Anreise haben wir nach dem Pfingst-Gottesdienst versucht den Gemeindesaal in einen Arbeitsraum zu verwandeln. Die abgestellten Dinge haben Christian und Nicola versucht einfach mal auszublenden, unserer Kollegin Magda schien es gar nicht aufzufallen, dass der Raum halb Abstellkammer für Weihnachtsschmuck, Portraits, Beichtstuhl und Baumaterial war. Alle überdachten Räumlichkeiten dienen eben dazu Dinge unter zu stellen – das gilt für Privat- und Kirchen-Gebäude. Also Fokus auf Stuhlkreis und Tafel – und eine entsprechende Ablage für die Bibel und eine Kerze organisiert.

Dann warten auf Teilnehmer: vorab hatten die Gemeindesekretärin Vicky und der Pfarrer Dan junge Paare angesprochen, im Gottesdienst wurde es auch erwähnt und nach dem Gottesdienst hat Vicky noch ein paar Extra-Erinnerungs-SMS verschickt. So etwas wie eine verbindliche Vorabanmeldung gibt es nicht, wenn die Referenten da sind werden auch die Teilnehmer zusammengetrommelt. So kamen 2 verheiratete Paare, die nach ihrem Ehevorbereitungskurs diesen Folgekurs gewünscht haben und 5 Paare, die schon alle ein Kind haben oder erwarten und jetzt noch kirchlich heiraten wollen und diese Einheit kurzerhand als zusätzlichen Vorbereitungskurs wahrnehmen mussten. Der geschulte Leser wird entdecken, dass es sich also um 4 freiwillige Teilnehmer handelt und 10 verpflichtete Teilnehmer. Wer gerne zu Gruppenphasen oder Gruppendynamik arbeitet, kann sich ausmalen was das für den Verlauf des workshops bedeutet – dieser workshop war wirklich harte Arbeit und wir zwischenzeitlich am Ende unseres Lateins. Es war nicht nur das Ilokano, was uns den Austausch mit den Leuten erschwert hat. Es war Ugali: die unterschiedlichen Motivationen, die sehr verschiedenen Lebenswelten, die breite Altersspanne, die unterschiedlichen Erwartungen vor allem wie so ein workshop in Sachen Leitung und Teilnehmerbeteiligung läuft.

Auf dem Bild oben ist Nicola zu sehen, die noch guter Dinge ist. Nach einem Gebet und einem gemeinsamen Lied haben die Teilnehmer soeben den Auftrag bekommen sich gegenseitig vorzustellen und eine Gemeinsamkeit mit ihrem Partner zu nennen. Ziel dieser Übung: sich gegenseitig in der Gruppe namentlich kennenlernen bzw. sich als Paar wertschätzend öffnen. Ein eigenes Beispiel zu erst, das hat uns unsere Ilokanolehrerin Margret beigebracht: Christian stellt Nicola vor und sagt, dass er sich gerne an das gemeinsame Bibelteilen in Limburg erinnert. Nicola stellt Christian vor und ist dankbar für die gemeinsamen Kinder. Als nächstes wurde die Runde für die Paare geöffnet, doch da öffnete sich niemand. Hier nochmal nachfragen und dort motivieren. Wir auf Englisch und Magda in Ilokano. Schweigen, Kichern, mit den Kindern Umhergehen, andere als erste Vorschlagen, die widerum dankend ablehen. Nicht ein Paar hat es geschafft sich gegenseitig vorzustellen, aber Einzelne haben ihren Partner vorgestellt und einige wenige noch den Namen ihres Kindes oder eine Begebenheit genannt. Das war die längste, anstrengenste und lehrreichste Vorstellrunde die wir je hatten. An einem Punkt konnten wir nur noch sagen: MAPANKAYO SUMARUNO.

05.22.2013ParacelisMenAuf diesem Bild wird einwenig die Verzweiflung von Christian und den Männern deutlich. Magda freut sich, dass durch uns angeleiteter Austausch in geschlechtergetrennten Gruppen möglich ist. Es gab also zwei Kleingruppen und hier haben sich die Männer zu Ti MAKUNA A PERFECTO NGA AMA (Der sogenannte perfekte Vater) zusammen gesetzt. Christian hat es auf Ilokano und Englisch probiert: gefragt, gewartet, nochmal gefragt, selber Beispiele gegeben, Stille ausgehalten und ist irgendwann an den Punkt gekommen: MAPANKAYO SUMARUNO.

Nach diesem Abend haben wir lange mit Magda gesprochen und so langsam verstehen wir ein bisschen besser, warum wir als Fachpersonen für die Familienpastoral im Vikariat Bontoc-Lagawe angefragt wurden. Es gibt in der Familienpastoral seit Jahren Ehevorbereitung, Paarseminare, Trainings für Multiplikatoren und viele Ideen was es noch geben könnte. Da es ein kleines Budget für diese Bildungs-Programme gibt, werden oft Vorlagen für die workshops benutzt. Diese Vorlagen werden dankbar von den Verantwortlichen (oftmals pensionierte Lehrer) an der Basis angenommen. Leider gehen dann die verschulten Bildungsprogramme, sprachlich und inhaltlich und moralisierend völlig an der Mehrzahl der Paare vorbei. Aber die Teilnehmer sind mittlerweile solche Vortrags-Veranstaltungen gewohnt und sitzen sie regungslos ab.

Magda will etwas an der Familienpastoral ändern. Sie möchte die Verantwortlichen schulen und die Programme so stricken, dass sie die Paare und Kinder teilhaben lassen, sie befähigen und ganzheitlich in den Blick nehmen. Es hat fast ein halbes Jahr gedauert bis Magda nach diesem Workshop in Paracelis zu uns gesagt hat, dass sie auch nicht weiß, wie sie die Verantwortlichen dazu bekommt, sich weiter schulen zu lassen. Dass sie auch nicht weiß, wie ein Programm gestrickt sein muss, damit die Paare wirklich anfangen, miteinander in einen Autausch zu kommen. Dass sie keine Ideen mehr hat, wie neue Verantworliche für neue Programme gewonnen werden können. Jetzt haben wir endlich von Magda erfahren warum wir hier sind und was unser Auftrag in den verbleibenden 2 1/2 Jahren sein wird.

„Come and see“ das waren jetzt 6 Monate vor allem Hospitieren und kleine Beträge bei workshops leisten. Jetzt haben wir eine Idee von dem was hier Realitäten sind, haben außerdem das Vertrauen unserer Kollegin und sind eingeladen an diesen Realitäten etwas zu ändern – das hatte noch zu unserer offiziellen Arbeitsfeldbeschreibung gefehlt. Magda will zusammen mit uns und unserem Direktor Fr. Harry eine Vision und ein neues Programm für die Familienpastoral erarbeiten und dazu fahren wir alle für ein paar Tage zu Fr. Harry in seine Missionsstation. Also auch in diesem Fall: MAPANKAYO SUMARUNO.

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

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