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Kulturschock

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06.06.2013KulturschockWir haben beschlossen unseren Kulturschock als ein interessantes Phänomen in diesem Blog etwas näher zu beleuchten. Ein Kulturschock solidarisiert ganz schnell mit all den Erstausreisern, Vielausreisern, Dauerausreisern und Rückkehrern. Macht gar nix, wenn man selbst schon mehrmals gereist oder umgezogen ist – es erwischt uns immer wieder. Und wir müssen über uns selber schmunzeln, weil wir doch tatsächlich gedacht hatten, dass es diesmal vielleicht nicht so heftig oder überraschend oder intensiv ist. Nein, es hat uns volle Breitseite erwischt.

Also eine kurze Definition: was ist denn ein Kulturschock? Wikipedia bietet nach Taft (1977) folgende Punkte an:

  1. Stress aufgrund der Belastung, die notwendigen psychischen Anpassungsleistungen zu erbringen;
  2. ein Gefühl des Verlustes in Bezug auf Freunde, Status, Beruf und Besitztümer;
  3. ein Gefühl der Ablehnung, weil man sich von Mitgliedern der neuen Kultur abgelehnt fühlt oder diese selbst ablehnt;
  4. Verwirrung über die eigene Rolle, über die Rollenerwartungen anderer, über Werte, über die eigenen Gefühle und die eigene Identität;
  5. Überraschung, Angst und Empörung, nachdem man sich des vollen Ausmaßes der kulturellen Unterschiede bewusst wird;
  6. Ohnmachtsgefühl, weil man meint, mit der neuen Umgebung nicht zurechtzukommen.

Wir können da überall ein paar Beispiele beisteuern. Und wir bennen hier mal folgendes: Gesundheit.

Wir ärgern uns gerade über Mückenstiche und Magenverstimmung. Gegen die Mücken haben wir schon Fenstergitter ausgebessert, Mosquitonetze aufgehängt, das Grünzeug im Garten kurz geschlagen und alle offenen Wasserbehälter verschlossen. Sie sind trotzdem da und stechen uns an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Für unseren Magen trinken wir gereinigtes Wasser, kochen sonst das Wasser ab, haben uns auch schon untersuchen lassen und im Labor wurde bei einem Teil der Familie Bakterien gefunden. Die eine Hälfte hat also Antibiotikum verordnet bekommen die andere Hälfte Cola. Theoretisch sind wir jetzt gesund, aber der Magen rebelliert trotzdem. Und uns begleitet dies nun schon ein Weilchen, mal nervt es mehr und mal ist es fast vergessen.

Manchmal sagen wir, dass wir uns nicht in der eigenen Haut wohl fühlen oder das es etwas zu verdauen gibt. Wir lesen gerade aus unserem Gesundheitszustand, dass es da tatsächlich etwas mehr zu verdauen gibt, bevor wir uns wieder in unserer eigenen Haut wohl fühlen können…

Uns geht es so ein bisschen wie den Äpfeln in dem Obstkorb. Alles was exotisch aussieht (Bananen, Papaya, grüne Mangos) ist hier ganz normal und heimisch und die Äpfel (in diesem Fall ein China-Import) passen da nicht so ganz rein. Durch unseren Kulturschock werden wir uns bewusst, dass wir hier nach wie vor fremd sind, anders ticken, nicht so panz passen. Es kommen viele kleine kulturelle Irritationen zusammen und zwar aus den Bereichen: Gesundheit, Alltag, Erziehung, Nachbarschaft, Sprache, Essen, Natur und natürlich Arbeit. Wir haben schon ein bisschen Erfahrung, sowohl was das eigene Aus- und wieder Einreisen betrifft, als auch das Begleiten von reisenden Freiwilligen und Freunden plus ein paar Techniken die Helfen zu reflektieren, einzuordnen, zu verarbeiten… Und trotzdem oder gerade deswegen ist es für uns stressig. Der Stress ist eben nicht im Kopf, der Stress befindet sich wie die Wut im Bauch oder geht emotional unter die Haut. Und es ist sooo stressig, dass wir dieses Stresslevel in die Kategorie Kulturschock packen.

Mit uns und unserem Kulturschock haben nicht nur wir zu schaffen – mit uns und unserem Kulturschock haben gerade mehr Leute zu tun. Wir sind einfach dankbar für Menschen wie Margret, unsere Ilokano und Kulturlehrerin. Da gibt es Magda, Regie, Sr. Monique, Weng und all die anderen Kolleginnen im Teng Ab, die einfach so viel Geduld mit uns haben und uns immer wieder eine Tür öffnen, einen Platz anbieten, das Gespräch mit uns suchen, einen Witz machen, etwas erklären oder uns einladen, einfach mit dabei zu sein. In unserer Nachbarschaft und in der Stadt gibt es viele Menschen, die uns freundlich Begrüßen und Ansprechen – diese interkulturelle oder schlicht menschliche Kompetenz unserer Mitmenschen lässt uns einfach nicht ganz so tief in den Kulturschock hineinrutschen – und wir wünschen allen, die auch gerade in einem Kulturschock stecken – irgendwo auf der Welt oder daheim in Deutschland – einen Blick für die Menschen, die Beziehung stiften und teilhaben lassen.

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

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