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Hausgeist

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06.08.2013 HausgeistIn diesem Haus wohnt ein guter Geist – das haben wir uns in der Alten Apotheke in Benediktbeuern oder im Röckerhaus in Ahlbach gedacht. Wir wohnen nicht zum ersten Mal in einem alten Haus mit Geschichte und Geschichten, die hier so rum geistern. Und doch ist es irgendwie anders im Chocolate House.

Dafür holen wir ein bisschen aus: Christian hat letztens von seiner Familie daheim im Allgäu geträumt und es unserer Ilokanolehrerin Margret erzählt. Die sagte daraufhin nur: „Gut, dass Du von Menschen und Orten träumst, die Dir vertraut sind“. Wir haben große Fragezeichen im Gesicht und sie erklärt kurz: „Die Leute sagen, dass es im Chocolate House viele Geister (Spirits) gibt“. Also Menschen haben einen physischen Körper und einen Spirit oder Geist. Die Lola (Oma) mit ihren Enkelkindern auf dem Feld wird alle Taschen und Kleider am Ende vom Tag einsammeln, die Kinder alle beim Namen rufen und den Geistern Bescheid geben, dass jetzt alle miteinander Heim gehen. Wer stirbt bekommt für seinen Körper ein Grab und der Geist bekommt einen Platz zum Verweilen – oftmals ein kleines Häuschen neben dem Haus. Das ist das, was wir von den Geschichten von hier und da bisher verstanden haben.

Jetzt war letztens unsere Ilokanolehrerin kurz bei uns zu besuch und lacht als sie durch die Küchentür das Haus betritt: „Ha, ich hab es euch doch gesagt, im Chocolate House wohnt ein Geist. Seht ihr die verputzte weiße Wand: das ist ein Grab.“ Christian: „Ja, in die Niesche passt ein Sarg, aber begraben wurde hier doch niemand.“ Nicola sagt mal gar nix mehr und wunder sich und fragt sich, was das jetzt bedeutet. Bisher wurden die Erzählungen von Spirits mit Interesse verfolgt: „Ah, das ist da oben im Wald.“ „Oh, das machen hier auch unsere Nachbarn.“ „Stimmt, das habe ich auch schon dort gesehen.“ Und jetzt ist es nicht mehr irgendeine Geschichte von irgend jemanden irgendwo. Sondern es geht um einen Geist im Chocolate House wo wir drin leben. Und es geht gar nicht mal soviel darum, ob da nun jemand begraben ist oder war. Es wird zu unserer Geschichte, weil unsere Nachbarn glauben, dass der Geist mit uns lebt.

Wir haben heute erfahren, dass auch unsere Kinderfrau Aunty Gloria von dem Grab seit den letzten Umbauarbeiten vor vier Jahren weiß, uns aber bisher nichts gesagt hat – genauso wie sie auch unserer Vorgängerin hier im Haus nix davon erzählt hat. Aunty Gloria weiß, dass der Geist auf uns schaut, aber sie hat keine Angst – ihre eigenen Kinder kommen wohl eher selten und dann auch nur mit einem Unbehagen ins Chocolate House.

Unsere Vorgängerfamilie hat ein Huhn traditionell geschlachtet und es wird erzählt, dass sie das getan haben, um den Geist im Haus zu besänftigen damit ihr Baby wieder ruhig schlafen kann. Und dem war dann wohl auch so, das Baby hat nach dem Pilipikan wieder ruhig geschlafen.

Als wir hier eingezogen sind haben die Nachbarn auch uns vorgeschlagen, dass wir mal besser ein Huhn traditionell schlachten und dann noch mit dem Pfarrer die Familie im Haus segnen lassen. Weil in so einem Haus ja schon so viel Geschichte ist und wir darin einfach neu anfangen sollen. Das haben wir auch gemacht ohne mehr zu den Geschichten im Haus zu wissen – jetzt wissen wir ein bisschen mehr – und werden doch nciht so ganz schlau daraus.

Zwischen Himmel und Erde gibt es manchmal mehr als man für möglich hält – und alles lässt sich eben nicht mit zwei Händen begreifen und ist auch nur für manche sichtbar. Unsere Kinder freuen sich immer, wenn sie beide den Regenbogen in den Bergen entdecken und fragen immer wieder ob man ihn mal anfassen kann. Heutzutage geht technisch und digital und überhaupt ziemlich viel, aber alles können wir eben doch nicht be-greifen.

Das Herausfordernde an den Erzählungen oder diesem Geist ist also nicht ob wir wissen oder nicht, dass hier jemand begraben wurde. Ob wir glauben, dass es einen Geist im Haus gibt oder eben nicht. Das Herausfordernde ist eher, dass viele unserer Nachbarn und Menschen mit denen wir hier zu tun haben überzeugt sind, dass es diesen Geist im Haus gibt – und jetzt kommt die Frage: wie verhalten wir uns dazu?

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

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