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Alltag in Bontoc

2 Kommentare

07.02.2013AlltagMädelsWie sieht eigentlich euer Alltag in Bontoc aus? Diese Frage lesen wir immer wieder neben: Was für Trainigs bietet ihr in der Arbeit an? oder Was lernt Tabea denn in der Schule?

Wir sind sehr dankbar für den 2. Juli, denn dieser Tag war so ein typischer alltäglicher Tag für uns hier in Bontoc.

Zwischen 5 und 6 Uhr werden die Mädels wach und dann gibt es Frühstück, bevor Tabea ihre Schuluniform anzieht.

Kurz nach sieben bringt Christian sie dann runter zur Schule und Salome begleitet sie und ist dann bis 8 Uhr wieder daheim.

Dann kommt Aunty Gloria, die auf die zwei Kleinen aufpasst und wir packen unsere Ilokano-Sprachschule-Tasche.

Kurz nach 8 Uhr kommt eine Nachricht auf das handy, dass unsere Ilokanolehrerin spontan heute morgen keine Zeit hat, wir aber um 13 Uhr kommen können.

Also packen wir um halb neun unsere Bürotasche und gehen gemeinsam ins Pastoralzentrum. Dort schreiben wir dann Berichte (die nach einem halben Jahr Einsatz so fällig werden).

10 Uhr und es ist Merienda (Kaffeepause), zu der man sich mit den Kolleginnen in der kleinen Küche trifft. Da erfahren wir von einer Großkundgebund in Bontoc, für mehr Frieden in der Region (letzte Woche hat die NPA eine Gruppe von Polizeischülern angegriffen). Finden wir sehr interessant, hätten wir gerne durch unsere Teilnahme unterstützt, aber das haben wir somit im Nachhinein erfahren.

11 Uhr Aunty Gloria holt mit den zwei Kleinen Tabea von der Schule ab.

12 Uhr und wir gehen nach Hause um Mittagessen für die Kinder zu kochen. Daniel hat eigentlich einen Arbeits-Alltag als Handwerker im Pastoralzentrum – aber er ist quasi auch der Hausmeister vom Chocolatehouse und steht vor der Tür. Ihm fehlt aber noch Werkzeug und kommt am Nachmittag nochmal vorbei.

Fast eins und Christian steht mit der Ilokano-Tasche in der Tür (nachmittags kann dann nur einer von uns zum Sprachunterricht gehen, weil der andere auf die Mädels aufpasst). Da kommt ein Anruf von einer Freiwilligen aus Manila, die hatte sich bereits mit ihrem Freund für einen Kurzbesuch angekündigt – sie sind jetzt in Bontoc.

14 Uhr Daniel ist wieder da und die Mädels rücken sich einen Stuhl zurecht, um ihn bei seiner Arbeit besser beobachten zu können. Er montiert uns eine Dachrinne vor das Küchenfenster, damit der Regen vom Küchendach zukünftig gezielt abläuft und eben nicht in die Küche.

15 Uhr Christian trifft die Freiwilligen in der Stadt – es sind übrigens drei – und fährt mit ihnen und ein paar Einkäufen (Wasserkanister, Sack Reis und ein bisschen Obst) plus ihrem Reisegepäck in zwei Tricycles nach Paktulaw oberhalb von unserem Stadtteil – alle kommen etwas erschlagen am Chocolate House an.

07.02.2013AlltagChristian16 Uhr Daniel packt schon fast seine Sachen zusammen und haut für das Feuerchen gegen Mosquitos mit seinem Bolo (philippinisches Taschenmesser) noch ein Stück Rinde von dem morschen Baumstamm unterhalb unseres Hauses. Nicola beobachtet fasziniert wie der Baum dabei ins Schwanken gerät. Daniel ist besorgt und Christian geht mal kurz zu unserem Nachbarn Karlito, der uns ein langes dickes Seil borgt. Seil um Baum geworfen, an dem Geländer der Veranda befestigt und die drei Männer ziehen ein bisschen daran – schwupps liegt der Baum auf einer Terasse unterhalb unseres Hauses. Alle bestaunen ehrfürchtig die verrotteten Wurzeln und das von Termiten ausgehöhlte Baumstamminnenleben.

17 Uhr und Fr. John aus dem Pastoralzentrum schickt auch noch den anderen Handwerker Insu mit seiner Kettensäge. Jetzt treffen auch noch andere Kolleginnen aus dem Pastoralzentrum ein und außerdem ein paar Nachbarn, die auch Interesse an dem neuen Brennholz mitten in Upper Bugbugan (so heißt unser Stadtteil) haben. Die versehentlich mitgefällt Papaya wird von den nachbarn bedauernd zur Kenntnis genommen – Nicola und Christian hatten bisher nie das Glück eine reife Frucht zu ernten, aber so sind wenigstens ein paar unreife Früchtchen für eine Gemüsebeilage abgefallen.

18 Uhr der in Scheibchen geschnittene Baum ist in der Nachbarschaft verteilt bzw. hinter unser Haus gelagert worden. Die Mangos, die zwischenzeitlich von dem Baum nebenan geerntet wurden, sind zur Hälfte aufgefuttert, unsere Mädels und die Kinder aus der Nachbarschaft freuen sich über Saft und so viel Trubel, die Männer trinken erstmal ein Bier.

07.02.2013AlltagFreiwillige19 Uhr jetzt sind unsere Mädels fast geduscht, nur Salome hat wie üblich etwas länger noch rumgehampelt und schaut etwas verdutzt, als der Strom in Bontoc ausgeht. D.h. damit ist auch der Durchlauferhitzer für eine warme Dusche aus. Kurz vor einem Heulanfall zaubert Nicola noch eine Kanne heißes Wasser aus der Küche und das Duschen mit lauwarmen Kübelwasser macht sogar mal Spaß.

20 Uhr Reis lässt sich ja auf dem Gasofen auch ganz gut ohne Strom kochen, aber Gemüse schneiden bei Kerzenlicht dauert dann halt doch etwas länger. Debora hat sich ins Land der Träume noch vor dem Abendessen verabschiedet, Salome hat ihr Abendessen vor Müdigkeit einfach abrechen müssen und Tabea hat kurz danach auch angekündigt, dass sie jetzt einfach ins Bett will. Übrigens ins Elternbett, weil sie ihr Bett für die Gäste geräumt hat. Die haben sich dann später noch geeinigt wer dann auf den Matrazenlagern schläft. Bevor sie den Tag zwischen einem Sack Reis, einem gefällten Baum, einer Nachbarschafts-Veranda-Party und Stromausfall als völlig normal abspeichern, desillosionieren wir sie doch noch und erklären, dass all dies nicht alle Tage so bei uns abläuft – und trotzdem war es ganz alltäglich…

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

2 Kommentare zu “Alltag in Bontoc

  1. Danke schön für den Bericht!

    Nils: „Wann sind rei Jahre rum?“

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