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Bäumchenschlagen

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07.13.2013BäumchenschlagenBäumchenschlagen ist im Sauerland für gewöhnlich in der Vorweihnachtszeit dran. Nicola erinnert sich an schneebedeckte Tannenbaumschonungen, durch die Familien streifen, sich „ihren“ Christbaum aussuchen und selber schlagen. Jeder dritte Weihnachtsbaum in Deutschland kommt wohl aus dem Sauerland… Beim Bäumchenschlagen wird dann übrigens Glühwein und Kinderpunsch getrunken – eine gesellige Aktion. Und das ereignet sich sicherlich auch heute noch so zwischen Eversberg, Arnsberg, Brilon, Bestwig… Aber da dürfen andere über die Kommentarfunktion Werbung machen ; )

Unsere Mädels werden mal ganz anders zum Thema „Bäumchenschlagen“ erzählen. Neben unseren Haus, fast schon in unserer Küche steht ein merkwürdiges Nadelgewächs. Wir schätzen so an die 30 Meter hoch und die Wurzeln liegen unter unserem Haus und der Veranda. Seit unserem Einzug haben die Wurzeln die Veranda ein Stück vom Haus weg geschoben und im Boden und in den Wänden entdecken wir immer wieder neue Risse. Salome hat bereits versucht ihre Flipflops darin zu versenken. Wir haben uns Rat bei den Nachbarn und Kollegen geholt: der Baum muss weg.

Wir haben erst noch gezögert, schließlich sind wir mit der BMI hier und unsere Kollegen in Sabangan und Mangatarem setzen sich für den Erhalt des Waldbestandes ein – wie können wir da so einen großen gesunden Baum einfach fällen wollen…

07.13.2013Bäumchenwarten

Schließlich haben wir doch einen Brief mit einer Fotodokumentation unsere Vermieterin vorgelegt. Sie hat den Brief an die Naturschutzbhörde (DENR) weitergeleitet und zwar über unsere Nachbarin, die dort arbeitet. Die hat mit unserem wichtigen DENR Nachbarn vereinbart, dass keine Baumfäll-Erlaubnis abgewartet wird. Unsere Nachbarin hat berechtigte Sorge, dass bis dahin die Veranda nicht mehr an unserem Haus hängt sonder auf ihrem liegt. Unsere Vorgängerfamilie hat hier mal zwei Jahre auf so eine Erlaubnis gewartet – dann wurde der Baum kleiner gemacht und wir haben erst vor ein paar Tagen die Reste vom Stamm weiter verarbeitet (Siehe Artikel vom 2. Juli).

Der Stromversorger wurde auch noch informiert, weil der die Überlandleitungen abhängen muss und außerdem Fachleute fürs Baumfällen hat. Wir haben kurz diesen Brief der Vermieterin zur Kenntnis genommen, waren überrascht, dass der Termin noch innerhalb einer Woche angesetzt ist und notierten uns noch in weiser Vorraussicht die hotline Nummer.

07.13.2013BäumchenKaffeeTabea war heute morgen die Erste, die aus dem Bett gesprungen ist und schon mal unten geschaut hat, ob der Baum schon gefällt wird. Wir haben dann alle in Ruhe gefrühstückt und die Nachbarin hat um 9 Uhr mal gefragt, ob wir denn schon den Stromversorger angerufen hätten. Haben wir dann also gemacht. Sie ist nochmal runter zur Vermieterin. In der Zwischenzeit kommen zwei Männer vom Strombversorger, die wollen aber erst die Kabel abhängen, wenn Männer zum Baumfällen da sind. Wir kochen erstmal Kaffee und bieten Kekse aus einer großen Dose an – das kann jetzt länger dauern. Eine andere Nachbarn kommt vom Reisfeld, weil die Vermieterin sie gebeten hat, Reis für die Arbeiter zu kochen. Es treffen immer mehr Leute vor unserem Haus ein und es wird verhandelt wer denn nun wie und überhaupt diesen Baum fällt. Die von der Stromversorgung haben ja nur einen Auftrag zum Kabelabhängen, alles andere kostet extra. Jetzt soll Christian im Pastoralzentrum anrufen, die sollen die Männer schicken, die hier letztens den alten Baumstamm zerlegt haben. Fr. John schickt Daniel und noch zwei Männer. Jetzt geht es auf Ilokano weiter und wir verstehen nur noch die Hälfte. Die andere Hälfte besteht aus Schweigen und das verstehen wir sehr gut: keiner traut sich an den Baum. Alle wirken etwas ratlos.Jetzt taucht der andere wichtige DENR Nachbar auf, das Gespräch wird etwas lebendiger. Es ist nochmal Thema, dass es ja keine Fäll-Erlaubnis gibt. Christian zeigt die Risse im Haus und an der Veranda. Jetzt ist das Votum klar: der Baum muss weg und auf eine offizielle Erlaubnis kann nicht gewartet werden. Der Baum soll noch vor der Typhoon Saison bis Ende des Monats gefällt werden. Daniel wird aus der Nachbarprovinz Ifugao einen Baumfäll Spezialisten organisieren, der sich traut einen so hohen Baum scheibchenweise in einer Wohnsiedlung zu fällen. Jetzt schmunzeln die Nachbarn: die Vermieterin hat einen Jungen mit einer Tüte gesalzenem Fleisch und Frischfleisch geschickt – das wird aber erstmal eingefroren, heute wird nicht mehr gekocht. Es ist 11 Uhr und einer nach dem anderen verabschiedet sich.

07.13.2013BäumchenwegJetzt setzt auch der Regen ein und der Zauber währe ohnehin hier vorbei gewesen. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Nach dem Mittagessen kommen die zwei Männer vom Stromversorger wieder und steigen beim Nachbarn auf den Baum. Nicola wundert sich, denn da saß letzte Woche der Nachbar selber erst drin und hat die Mahagoni gestutzt – die mal beim nächsten Hausbau gefällt werden soll. Die Zwei schlagen jetzt noch etwas großzügiger nach, damit die Kabel etwas freier hängen – ob das dem Nachbarn so gefällt? Der Regen legt nochmal etwas stärker nach und wir laden sie nochmal auf einen Kaffee ein. Nach der Pause wird die Mango noch gestutz und unser Nadelbaum muss auch ein paar Zweige einbußen. Aber – er steht immer noch und das Bäumchenfällen wird wohl nächste Woche in eine weitere Rund gehen.

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

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