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Leichenschmaus

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08.2013LeichenschmausDieses Wochenende sind wir mit unserer Kollegin Magda in ihre Heimatpfarrei Kilong gewesen. Geplant war ein inhaltlicher Einstieg in unser Pilotprojekt: Family Cross Roads (Familien Kreuz Wege) mit Familien aus Kilong. Doch am Freitag Abend kam es etwas anders: Magda hat die Nachricht erhalten, dass ihre Schwiegermutter in Baguio unerwartet verstorben ist und sie jetzt nach Hause gebracht wird. In einer Gemeinde mit 30 katholischen Familien, vielleicht die Hälfte hatten wir zu unserem Arbeitsworkshop erwartet und weil eben jeder mit jedem irgendwie verwandt ist oder in der Nachbarschaft wohnt, war an so einen Arbeitseinsatz nicht mehr zu denken.

Am Samstag haben wir dann viel Zeit bei Magda verbracht und durften einfach beobachten was so passiert. Früh morgens wurde die Verstorbene mit dem Auto gebracht uns huckepack ins Haus getragen – der Sarg war noch nicht da. Sie wurde ins Bett gelegt und zugedeckt und ein paar Frauen haben sich zu ihr gesetzt, so wie man es bei einem Kranken macht. Und solange es keinen Sarg gibt, wird der Verstorbene auch noch wie eine Schlafende behandelt. Unsere Mädels haben im Laufe des Tages auch immer mal wieder bei ihr vorbei geschaut. Tabea: „Es sieht aus, als ob sie schläft“.

Die alten Männer saßen im Wohnzimmer, erzählten und verhandelten. Es stellte sich mit der Zeit heraus, dass die Beerdigung am Tag drauf stattfinden soll und dass bis dahin fünf Schweine geschlachtet sein sollen. Die Leber vom ersten Schwein wurde gekocht und inspiziert – sie war ok, also musste nicht noch ein Schwein wegen der Leber geschlachtet werden. Das zweite Schwein war eine große dicke Sau – wir waren wirklich beeindruckt von der Körperfülle! Es musste ein großes Tier sein, damit auch die Gemeinde zukünftig in Fülle bestehen kann. Die Bedeutung der anderen Schweine konnten wir nicht mehr erfragen – es wurde noch besprochen, dass sie ja in einem Auto her gebracht wurde und deshalb gab es sicherlich auch noch ein Schwein für das Transportfahrzeug.

Ach ja, die Schweine wurden alle vorm Haus geschächtet und dann im Wohnzimmer zerlegt. Für eventuelle Nachahmer: dicke Pappen unterlegen und eine Baumscheibe als Hackbrett. Dann braucht es noch viele große Wannen zum Auffangen vom Blut und für die Innereien. Details können da Tabea und Salome geben, die zwei haben sich das bei den ersten zwei Schweinen mit großem Interesse angeschaut. Aus Ausnehmen und Zerlegen der Tiere wurde von Gesängen der Männer begleitet und kleinere Teile der Innereien wurden im Haus aufgehängt. Wir sind dann auch mit den Kindern gegangen, denn die Rituale sind eher alte Männer Sache, schließlich soll nicht aus versehen dabei ein Glas zerbrechen oder etwas anderes auf den Boden fallen.

Für uns war neu, dass das Fleisch nicht an Ort und Stelle weiter verarbeitet wird. Es wurde in viele kleine Portionen (2-8 Kg Pakete) geteilt und im Dorf und an Gäste weiter gegeben. So kamen auch wir zu einer großen Portion Frischfleisch. Der Kommentar vom Meistermetzger: „das könnt ihr salzen und später mit nach Deutschland nehmen“ (gesalzenes Fleisch heißt hier Sinasin). Zu Hause haben wir festgestellt, dass es sich wirklich um ein schönes Stück Fleisch handelt – das konnten wir nciht einfach so zu Trockenfleisch weiter verarbeiten. Also, erstmal die Haut mit der Fettschicht entfernt (hat kein Nachbar beobachtet – das gehört hier nämlich eigentlich mit ins Adobo – philippinische Schweinegulasch). Zwei kleine stark durchwachsene Stücke haben wir tatsächlich gesalzen und lassen sie nun an der Luft trocknen. Der Rest vom Leichenschmaus wartet im Gefrierfach auf Besuch aus Deutschland – denn zwei Jahre schauen wir uns das gute Stück nicht an – Salome hatte es heute Abend schon auf dem Teller erwartet…

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

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