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schweres Busunglück

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02.08.2014Tricycle

Wir sind alle unversehrt, ebenso unsere BMI-Kollegen sind wohl auf. Heute hat sich in der Nähe von Bontoc ein schweres Busunglück ereignet. Regelmäßig pendeln Busse von Manila nach Bontoc mit einem Zwischenstopp in Banaue. Ein solcher Bus hat heute morgen einige Passagiere in Banaue aussteigen lassen und viele lokale Passagiere zu einer Veranstaltung mit nach Bontoc genommen. Zwischen Bayyo und Talubin ist der Bus von der Straße abgekommen und in ein Reisfeld gestürzt. Fakten dazu haben wir nicht. Es war ein langer und voll besetzter Bus mit mehr als 40 Personen. Die Verletzten wurden mit vielen Krankentransportern und auch Privatfahrzeugen nach Bontoc ins Krankenhaus gebracht. Die Sirenen haben wir den ganzen Vormittag in Bontoc gehört. Heute Nachmittag war Nicola auch im Krankenhaus und hier ändern wir den Brichtsstil:

„Erste Hilfe leisten andere in einem solchen Krisenfall, aber am Nachmittag hat es mir dann keine Ruhe mehr gelassen. Ich weiß, dass alle lokalen Patienten von ihren Angehörigen versorgt werden – aber was ist mit den Menschen von außerhalb? Sonst haben wir hier wenig Kontakt zu Touristen, suchen den auch nicht ausdrücklich. Vor dem Krankenhaus habe ich dann den Gemeindepfarrer Fr. Marcs angetroffen. Er wusste mehr: ein Ausländer ist gestorben, die Reisebegleitung ist im Krankenhaus. Also sind wir gemeinsam rein. Was ich mir vorgestellt hatte? Eigentlich hatte ich mir nicht viel gedacht, schließlich war ich nicht zum ersten Mal im Krankenhaus – ein bekannter Ort. Mit den Kindern waren wir schon öfter für Untersuchungen vorstellig. Aber darauf war ich nicht gefasst: Leichensäcke und mit Tüchern überdeckte Körper auf beiden Seiten vom Weg. Kurz die Frage: Mensch Nicola, was machst Du hier?!? Ich bin einfach Fr. Marcs hinterher gelaufen, bis wir in dem Krankenzimmer von einer verletzten Ausländerin waren. Zur Überraschung war ein anderer Landsmann der Verletzten auch schon dort. Er hat das Organisatorische in die Hand genommen: am handy Reisepassnummern durchgeben, Patientendetails, Unfallhergang etc. Das dann auch nochmal für die Verstorbene. Ich hab dann erstmal „Hallo“ gesagt – und dann nicht mehr viel. Es ging einfach darum da zu sein. Ein paar praktische Fragen: darfst Du schon was essen / trinken? Sowas muss nämlich sonst von Angehörigen organisiert werden. Ein kurzer Austausch darüber ob sie verlegt werden möchte in ein anderes Krankenhaus in der nächst größeren Stadt. Da noch kein Arzt sie besucht hat, weil sie scheinbar nur Prellungen erlitten hat, gab es dazu auch nur eine Gefühlsäußerung: nicht nochmal irgendwohin bewegen – im Liegen tut schon alles weh. Meinerseits weiterhin eher Schweigen oder Druck raus nehmen: das muss jetzt noch nicht entschieden oder geplant werden. Erinnern, dass erstmal Erholen und zu Kräften kommen angesagt ist. Vergewissern, dass sie hier nicht alleine ist, sondern die Familie des Organisators und unsere Familie auch erstmal da ist und sie versorgen kann. D.h. sich um das formal Organisatorische kümmern – aber auch an Essen und Getränke, an Körperpflege und Besorgungen denken – das passiert im Krankenhausalltag eben nicht durch die Pflegekräfte sondern Angehörige. Wir haben vereinbart, dass Waschen erst morgen dran ist und ich dann Handtücher mitrbringe. Wir waren als greifbare Personen da und sind auch erstmal nicht wieder gegangen – zum Unterschied zu den Schwestern und Ärzten, die sich von den schweren zu den leichteren Fällen vorgearbeitet haben. Das konten wir heute anbieten – und werden es morgen auch wieder tun und all die Tage wo sie noch in Bontoc sein wird, bevor sie woandershin gehen kann.“

Wir sind Betroffen von diesem schweren Busunglück, das 14 Menschen das Leben gekostet hat. Der Reisebegleiter der jungen Frau ist in den Reisfeldern ums Leben gekommen, genauso wie der Onkel einer Kollegin und viele andere aus Bontoc und Banaue. Und so viele Verletzte in Bontoc und mittlerweile weiter vermittelt nach Baguio in spezialisierte Krankenhäuser.

Was uns nochmal mehr nachdenklich stimmt, ist unsere eigene Reisesituation. Wir sind hier ständig mit so vielen verschiedenen Fahrzeugen unterwegs. Das Foto zeigt die Hauptkreuzung in Bontoc: Tricycle, Van, Jeepneys und Busse fahren dort in alle Richtungen. Dieser Bus ist heute Morgen auf der Strecke von Banaue nach Bontoc verunglückt – gestern saß unser Kollege aus Sabangan noch in einem solchen Bus auf dem Weg nach Hause, unser BMI Koordinator ist heute über die andere Route nach Bontoc rein gefahren und Christian erst heute morgen nach Baguio raus. Ein eigenes Fahrzeug würde das Unterwegssein nicht sicherer machen, aber wir sind einmal mehr sensibler in Sachen öffentlichen Nah- oder Fernverkehr.

Erst gestern hatten wir die Diskussion: nach Baguio besser mit Bus oder Van?! Wir hatten noch nie von einem Busunglück gehört und das letzte Große muss auch schon über 10 Jahre zurück liegen, deshalb war gestern ganz klar: wir fahren Bus und nicht mit dem Van nach Baguio. Das muss dann nochmal neu bedacht werden. Auch unser Unterwegssein als Familie – ob das immer so notwendig ist oder ob es nicht reicht, wenn einer von uns fährt? Und dann aber die Erkenntnis: dieser Unfall ist noch auf dem Gebiet unserer Missionsstation passiert. Das war an einer Stelle an der wir im letzten Jahr phasenweise wöchentlich vorbei gefahren sind. Eine Lösung dazu gibt es nicht, außer einmal mehr die Feststellung: es ist gut, nicht alleine zu reisen. Es ist gut, genau zu bedenken, welche Reisen wirklich notwendig sind. Es ist gut, Kontakte an verschiedenen Orten zu haben für den Ernstfall, denn das gefährlichste in unserem Alltag hier ist der Verkehr.

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

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