maiersinbontoc

Totenwache

Hinterlasse einen Kommentar

11.10.14TotenwacheSargLeben und Tod gehören hier auf besondere Weise zusammen. Vor ein paar Tagen haben wir viele Familien ihre Gräber aufsuchen sehen. Mit Blumen und Essen und Kerzen und vor allem mit dem Impuls, die Familie an den Gräbern zusammen zu führen. Heute hat uns Aunty Gloria mit nach Samoki in ihre Nachbarschaft mitgenommen.

11.10.14TotenwacheEssenIn den letzten zwei Jahren haben wir mit unseren Kolleginnen und Nachbarn so einige Familien von Verstorbenen besucht: Fr. Williams Vater wurde mit vielen Priestern und Familienangehörigen zu Grabe getragen, Magdas Schwiegermutter haben wir noch am Totenbett aufgesucht, bevor sie in den Sarg umgebettet wurde und die Nachbarin von unserer Aunty Gloria haben wir heute Morgen auf dem traditionellen Totenstuhl vorgefunden.

11.10.14TotenwacheStuhlSehr unterschiedlich wurden diese Übergänge gestaltet: von einer Eucharistiefeier um den Sarg, über Lebensgeschichten erzählt von den alten Männern bis hin zum Singsang der alten Frauen heute Morgen. Aber eines war bei all diesen Anlässen gleich: die Familie und Nachbarn kommen zusammen, sie wachen um den Versorbenen. Und draußen wird geschlachtet und Essen geteilt. Wir haben eine süße Maissuppe heute Morgen gelöffelt während ein weiteres Schwein geschlachtet wurde. Am Vortag wurden bereits 9 Schweine, 1 Wasserbüffel und 1 Hund geschlachtet – nicht nur um die Gemeinde mit Essen zu versorgen, sondern um vor allem der Tradition zu entsprechen. Wer eine bedeutende und lange Familiengeschichte aufweist, dessen Übergang wird von den alten Gemeinde- und Familienmitgliedern entsprechend begleitet. Hier wurde die Verstorbene auf einen traditionellen Totenstuhl gesetzt und in spezielle Webstoffe gekleidet. Weil sie schon am Freitag verstorben war, wurde ihr bereits etwas mehr Halt gegeben. Um sie herum saßen auf dem Boden die alten Frauen aus der Nachbarschaft. Ruhig war die Atmosphäre und wohlgesonnen – mit allen die kamen und blieben und wieder gingen – uns eingeschlossen. Ums Haus war es etwas betriebsam und die Leute gesprächig. „Teuer ist unsere alte Kultur“ sagt uns eine jüngere Frau. Und von anderen wissen wir: „Das muss schon ein besonderer Mensch sein, der in einem Einbaum-Sarg beerdigt wird. Denn den kann sich nicht jeder leisten: weil es Mühe macht ihn zu schlagen und zu Grabe zu tragen.“ Deshalb werden auch nur noch wenige Menschen ganz nach den überlieferten Traditionen beerdigt. Viele wollen und können sich das nicht mehr so leisten. So war es nicht nur für uns ein Ereignis, das uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Im Büro haben wir uns auch noch lange mit den Kolleginnen und unserem Priester für Inkulturation darüber ausgetauscht.

Fotografieren / Veröffentlichen: wann nehmen wir die Kamera mit und packen wir sie auch aus? Diese Fragen beschäftigen uns immer wieder und auch heute morgen haben wir uns dazu Gedanken gemacht. Aunty Gloria und ihren Nachbarn war es wichtig, dass wir mehr über ihre Traditionen erfahren. Deshalb haben wir beschlossen dieses besondere Ereignis auf diese Weise zu teilen. Diese Bilder nach langen Gesprächen mit den Alten, Nachbarn und Familie entstanden. Das letzte Bild haben wir digital altern lassen, denn uns geht es weniger um die Details sondern mehr um die würdevolle Atmopsphäre, die wir wahrgenommen haben.

Advertisements

Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s