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Krankenbesuch

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02.04.2015Krankenbesuch(Die zwei Kleinen sitzen auf einem „Begleiterbett“, das genau so unbequem ist wie es aussieht.)

So sieht das aus, wenn die zwei Kleinen ihrer großen Schwester einen Krankenbesuch abstatten. Tabea haben wir vergangenen Sonntag gleich aus unterschiedlichen Gründen im Bontoc General Hospital einquartiert. Und weil Christian mit unserer Kollegin Magda unterwegs war, ist Nicola auch gleich mit Salome und Debora zu Tabea in ein Privatzimmer gezogen. Denn unser Kindermädchen ist auch aus dem Urlaub noch nicht zurück. Weil die Einweisung schon aufregend war, wollten wir die Kleinen nicht bei Nachbarn abgeben, sondern sie sind einfach mitgekommen – und das wurde toleriert. Was allerdings auch etwas belastend für alle war, beispielsweise die Schlafsituation bzw. das ständige aufgeweckt werden dank regelmäßigem Fiebermessen, Schichtwechsel und dergleichen. Seit Montag ist Christian zurück in Bontoc und wir Eltern wechseln uns am Krankenbett ab – jetzt sind die kleinen Schwestern nur noch zu Gast im Krankenhaus und Tabea hofft auch darauf, bald wieder im eigenen Bett zu Hause schlafen zu dürfen.

Wir betreten das Bontoc General Hospital immer mit etwas gemischten Gefühlen. Wir sind froh, dass wir in einem Ort mit Krankenhaus leben und dort zu jeder Tages- und Nachtzeit auch aufgenommen werden. Allerdings kommen die Ärzte und das Labor dort auch oft an ihre Grenzen. Das hatte uns im vergangenen Jahr veranlasst mit Debora ein Krankenhaus in Baguio aufzusuchen. In Tabea’s Fall konnten alle Diagnosen und Behandlungen hier in Bontoc stattfinden.

Für einen Aufenthalt in einem Provinzkrankenhaus sollte folgendes im Gepäck sein: Handy mit load und Ladegerät inkl. Adapter, Toilettenpapier, Besteck, Trinkbecher und Trinkwasser, Decken und Kissen für Begleitperson – und ohne diese Begleitperson ist man ohnehin völlig aufgeschmissen.

Ein solcher Aufenthalt in einem Provinzkrankenhaus löst unterschiedliches aus – bei uns, den Menschen um uns herum und bei Institutionen wie unserer Versicherung in Deutschland.

Nachbarn und Kolleginnen haben uns auch Krankenbesuche abgestattet und da haben wir erstaunte Kommentare geerntet: „Dass ihr mit euerm Kind hier ins Krankenhaus geht?“ Die Vorzüge liegen für uns auf der Hand: Wir sind als Familie zusammen und können uns am Krankenbett abwechseln bzw. daheim schlafen. Die Ärzte hier haben die gleiche Ausbildung wie die in der Stadt und Erfahrung mit all den Krankheiten, die es hier im Alltag so gibt. Und die Schwestern und Pfleger sind auch hier alle hilfsbereit und nett und zuverlässig – so ist unser Eindruck. Kolleginnen und Nachbarn kommen zu Besuch und können auch mal aufpassen – das ist nicht zu unterschätzen! (Wobei wir erst jetzt festgestellt haben, dass wir von keinem unserer Nachbarn eine Handynummer haben; die rufen wir alle von der Veranda aus oder wir schicken die Kinder hin oder gehen gerade selber vorbei – es funktioniert aber auch die Mund zu Mund Propaganda in Krisen-Fällen sehr gut ohne uns…)

Eine eindrückliche Beobachtung: Wir haben die Möglichkeit in einem Privatzimmer untergebracht zu werden – viele andere Familien bringen ihre Kinder in Mehrbettzimmern unter und da geht es nochmal ganz anders zu. Wir gehen daran mehrmals täglich vorbei: Wir sehen, wie die Familienangehörigen sich um die Betten der Kinder versammeln und können uns nicht so recht vorstellen, wie die Kinder dabei genesen. Der Austausch der Eltern ist dabei sicherlich auch nicht zu unterschätzen. Aber da ticken wir eher anders und schätzen Privatsphäre und eine Tür, die man zumachen kann.

Nach einem emergency im letzten Jahr wissen wir auch so in etwa um die Beschränkungen unseres Krankenhauses; das lässt sich nur manchmal schlecht einer deutschen Versicherung erklären. „Nein, eine Telefonleitung, die funktioniert, hat unser Krankenhaus nicht.“ oder „Nein, das Finanzielle wird sich nicht über Internetbanking regeln lassen; das machen wir hier in cash.“ oder „Sie können die E-Mailadresse des Krankenhauses anmailen, aber wenn sie die Laborwerte haben wollen, kopieren wir sie wohl besser…“ Und das alles nicht, weil die Leute hier unkooperativ sind – das alles, weil hier immer persönlich mit Leuten gesprochen und ausgetauscht wird inkl. der Laborwerte oder Geld. Und auch wenn wir alle Teil einer globalisierten Welt sind, ist dieser Teil eben nicht an Telefonlandleitungen verlässlich angeschlossen und das Internet inklusive E-Mail hat hier auch noch keinen Durchbruch erlebt, sondern da erleben wir regelmäßig eher (Verbindungs-)Abbrüche.

Manchmal laufen wir etwas Gefahr vielem mit „Das ist hier eben so“ zu begegnen. Da sind wir gerade in diesen Tagen froh, eine deutsche Versicherung mit all ihrer Genauigkeit im Rücken zu haben. Die lassen einfach nicht nach, Gegebenheiten in Frage zu stellen, nach möglichen Kommunikationswegen zu forschen und diese dann auch regelmäßig zu nutzen und um unseres Willens unbequem zu sein. Wir hätten aufgrund unseres medizinischen Unwissens und aufgrund unseres zeitweise kulturellem Angepasstsein („jemand der besser Bescheid wissen müsste, wird nicht in Frage gestellt“) sicherlich viele Fragen oder Anregungen nicht geäußert. Da sind wir echt froh, dass die AGEH uns mit so einer guten Versicherung versorgt hat.

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

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