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Ifugao

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02.08.2016Ifugao.JPGDiesen Beitrag möchten wir unserer Nachbarprovinz Ifugao widmen. Dort sind wir immer mal wieder im Einsatz, aber heute haben die Mädels die besten Fragen und Kommentare gegeben, die wir gerne mitteilen.

Kontext: Auf dem Bild oben ist Debora mit ein paar Kindern während einer Totenwache in Mayoyao zu sehen. Sie und ein paar Kinder stecken da ganz interessiert die Köpfe zusammen über einem Tablett (wo verschiedene Computerspielchen laufen). Bei einer Totenwache bleibt der Verstorbene mit der Familie im Haus und die Nachbarschaft bzw. Verwandschaft verabschiedet sich über mehrere Tage. Dazu werden auch alle Gäste bekocht. Traditionell werden Schweine und je nach Region auch Hühner, Kühe oder Hunde geschlachtet – und wir haben gelernt, dass es dafür je nach Region verschiedene Orte und Methoden gibt (in Mayoyao wurden zwei Schweine vor der Hauseingangstür durch einen Herz-Stich abgestochen). In katholischen Familien gibt es Gebete oder Gottesdienste – und da der Verstorbene der Vater eines unserer Priester war, kamen viele Priester und Gemeindevertreter aus unterschiedlichen Gemeinden. Neuerdings gibt es neben den Erinnerungs-Geschichten der alten Gemeindemitglieder auch Bildschirmpräsentationen mit Erinnerungsfotos der jüngeren Generationen. Und eine kulturelle Besonderheit in Ifugao ist das Kauen von Moma (Betelnüsse eingewickelt in ein Blatt samt etwas Kalkpulver) – und wer das aus anderen Länderkontexten nicht kennt: Das wird gekaut und der vermehrte rote Speichel wird dann ausgespuckt, weil er für den Magen in größeren Mengen nicht so gut verträglich ist. In Ifugao sagt man, dass Moma bei kaltem Wetter von innen her wärmt.

Kommentare:

Salome: Vielleicht können die Leute hier auch einfach eine dickere Jacke anziehen, dann müssen sie nicht so viel Moma kauen und dann ist der Boden auch nicht überall vollgespuckt.

Debora: Ich hab dem Vincente (dem Verstorbenen) jetzt Tschüss gesagt; kann ich wieder zu meinen Freunden mit dem Tablett gehen?

Tabea: Warum braucht das Schwein so lange beim Sterben? (ein Herzstich muss gekonnt sein und wenn es nicht klappt, leidet das Schwein länger und lauter)

Debora: Mama, Du musst mich hoch heben, ich kann gar nicht alles sehen (während sie sich die Ohren zuhält, weil die Schweine so laut quietschen)

Salome: Wenn man Fleisch essen möchte, dann muss man ein Schwein schlachten. Aber die quietschen so laut – ich will gar kein Fleisch essen!

Tabea: Warum werden die Schweineköpfe denn hinters Haus getragen, die können sie doch jetzt auch nach Bontoc auf den Markt bringen und dort verkaufen. (Die werden von der Familie und Nachbarschaft später zu einem speziellen Eintopf verarbeitet)

Salome: Wann hat denn der Mann angefangen zu sterben? (bei Fr. Manny hatte sie noch gefragt: Wann ist er denn fertig mit sterben?)

Tabea: Ok, jetzt gabe es Kaffee und Pandesal (kleine Brötchen) – wann gibt es das richtige Frühstück (Reis mit Fleisch)?

Salome: Auf den Bildern sieht der Vincente aber ganz anders aus. (Das waren wohlbemerkt schwarz-weiß Fotos von vor über 30 Jahren – und ja, Verstorbene sehen anders aus als auf Fotos)

Tabea: Hat er denn keine Arme mehr? (dem Verstorbenen wird das beste Obergewand angezogen und in diesem etwas besseren Sarg gab es seitlich ein weißes Tuch, dass die Arme bedeckt hat)

und wir Erwachsene könnten da noch mehr zu kommentieren:

  • Die Straße nach Mayoyao ist super schlecht und wir sind froh, dass wir in Bontoc quasi an einer „Autobahn“ wohnen.
  • In Mayoyao ist es derzeit super kalt und wir sind froh, dass unser Tal etwas breiter ist und somit nur das Prädikat „kalt“ bekommt (das schreiben wir mit Socken und Jacken – wohlgemerkt im Haus!).
  • Wir sind super dankbar, dass wir drei so super Mädels haben, die sich Sonntags mit uns von 9am bis 2pm ins Auto setzen, dann relativ geduldig bei der Totenwache mitmachen und sich heute nochmal fast fünf Stunden ins Auto gesetzt haben.
  • An so einem Schwein ist ja echt viel dran – aber wirklich wenig Schnitzel (zumindest hatten wir in allen Portionen mehr Knochen und Speck als Fleisch).
  • Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich zu einer Totenwache aufmachen. Uns wurde schon oft gesagt, dass es wichtiger ist, an einer Totenwache als an einer Hochzeit teilzunehmen. Das ist für uns immer wieder bemerkenswert.
  • Mehr zum Thema Totenwache findet sich auch unter dem Beitrag von Fr. Manny letzten Juli oder dem Rundbrief Nr. 10 oder bei vimeo.
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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

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