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Weltanschauungen

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Wir sind gerne als deutsche Familie gemeinsam in der Cordillera unterwegs und stellen immer wieder fest: In Sachen Weltanschauung leben wir Eltern in einer anderen Welt als unsere Kinder. Schon ein paar Mal haben wir zum Thema Third Culture Kids geschrieben und einmal mehr wollen wir unsere nicht ganz so einfachen Herausforderungen teilen, weil es eben mal wieder ans „Eingemachte“ geht…

Wir Eltern sind uns in unserer Wahrnehmung einig: Wir wohnen im Chocolate House, das wohl seine Geschichte hat, aber derzeit bewohnen wir es mit unserem Leben und planen bis August hier zu bleiben, so wie wir eben sind.

Die Kinder sind sich da nicht so sicher. Im Chocolate House haben vor uns Menschen gelebt und ihre Geschichte ist nach wie vor lebendig und beeinflusst ihr Leben und Empfinden entscheidend mit.

Wie lebt es sich nun als Familie unter einem Dach, wenn die Sicht auf den gemeinsamen Lebensraum und das Empfinden darin so unterschiedlich wahrgenommen wird?!?

Seit unserer Ankunft berichten die Kinder aus der Nachbarschaft, dass in unserem Haus jemand beerdigt ist und der Anito (sein unruhiger Geist) nach wie vor im Haus unterwegs ist. Die Geschichte bewegt unsere Kinder seit einigen Wochen besonders intensiv. Das Nachbarskind hat ihnen gesagt, dass der Familienvater einer anderen Schweizer Familie im Esszimmer bei Umbauarbeiten einen Arm gesehen hat. Seither berichtet Salome, dass sie etwas im Haus wahrnehmen kann…

Als Eltern hatten wir uns erst entschieden, von uns zu berichten: Uns hat diese Geschichte noch kein anderer berichtet. Das Nachbarskind war viel zu klein damals, um sich an ein solches Ereigniss zu erinnern und es klingt nicht so glaubhaft. In keinem anderen Haus wurden Verstorbene beerdigt; das Grab ist in der Regel irgendwo draussen und nicht drinnen. Wir haben noch nichts wahrgenommen in oder ums Haus…

Die Geschichte schien kein Ende zu nehmen und so haben wir mit den Kindern vereinbart: Wir kontaktieren die schweizer Familie und fragen einfach nach. Tja – auch die Schweizer Kinder berichten auch heute noch von einem leeren Grab im Chocolate House. In den vergangenen Jahren hat sich also dieses leere Grab in ein belegtes Grab verwandelt…  Und wir wissen jetzt, dass die erste Kinderfrau im Chocolate House wohl Anitos in Teng-Ab aber nicht im Chocolate House selber wahrnehmen konnte und dort immer ohne Bedenken unterwegs war.

Als Eltern kann man auf die Geschichte folgender Weise blicken: Fall klar: Grab ist leer – kein Grund zur Beunruhigung im Chocolate House.

Aus der Sicht der Kinder, die nach wie vor in einer Welt (Nachbarschaft und Freundeskreis) von Ahnen, Anitos und Geistern leben, ist das keine schlichte Verstandesfrage von einer klaren Sachlage.

Es geht jetzt also darum, wie wir als Familie mit unterschiedlicher Wahrnehmung unserer Welt mit dieser Herausforderung umgehen. Wir sind da offen was Strategien oder Herangehensweisen angeht und uns beschleicht, dass uns da vielleicht eine inkulturierte Variante ins Haus steht. Wenn ein unruhiger Geist die Menschen in einem Haus herausfordert, dann wird traditionell ein Huhn geschlachtet, begleitet von Gebeten…

Genug native Gockel haben wir gerade ums Haus und mit den lokalen Ordensschwestern (ganz katholisch, aber eben auch verwurzelt in ihren Traditionen) stehen wir in gutem Kontakt – wir werden berichten, was uns in diesem Fall weiter geraten wird… befremdlich, diesen Gedankengang weiter zu spinnen, aber uns beschleicht, dass unsere Kinder eher auf dieser spirituellen / traditionellen Ebene als auf der rationalen Fakten-Ebene sich ansprechen lassen. Ziel ist es, dass die ganze Familie das Chocolate House als einen lebenswerten Raum definiert, und da sind jetzt wohl Strategien gefragt, die nicht nur der elterlichen Weltanschauung entsprechen, sondern eben der Weltanschauung der Kinder Rechnung tragen und entsprechende Ausrucksformen findet…

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Autor: maiersinbontoc

Familie Maier in Bontoc

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