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unberechenbar

06.25.2017unberechenbar.JPG

Wenn wir auf unseren Einsatz in der personellen Entwicklungszusammenarbeit zurück blicken, dann können wir wohl sagen: Das Wort „unberechenbar“ trifft auf viele Lebens- und Arbeitsbereiche zu. Da gab es eine Projektbeschreibung vor 5 Jahren in einem bestimmten Kontext mit namentlich erwähnten Menschen eingebettet in eine gewisse Organisationsstruktur mit Programmen und formulierten Projektzielen. Und wir sollten die Prozesse begleiten und scheinbar haben wir eine gewisse Resilienz, dass wir nach den 5 Jahren und all den Umbrüchen, Veränderungen, Überraschungen… noch immer da sind – oder vielleicht sind wir auch genau deshalb noch immer hier. Wäre hier alles in ruhigen Fahrwassern und lässig planbar, dann hätte es ja auch niemanden aus der personellen Entwicklungszusammenarbeit gebraucht.

Mit vielem haben wir so jedenfalls vorab nicht gerechnet und in Zahlen und Namen liest es sich gleich noch krasser:

Wir haben die Vikariatsleitung unter Bischof Betran, Admitstrator Fr. Joe und jetzt Bischof Val erlebt.

In der Finanzabteilung wurde Fr. John von Fr. Manny abgelöst, der dann gestorben ist und vorübergehend hatte Fr. Bento die Leitung bis nun Fr. Rick übernommen hat.

In unserem Pastoralteam haben wir bei Youth Russel gehen und Ela kommen sehen, in Education ist Sharon gegangen und nach ihr Angie dafür ist jetzt Bal dabei und die Leitung hat neu Sr. Emy. Regina ist von Altar ins Emergency Response Team gewechselt und Santos ist neu mit im Team. Bei SADC sind Regina und Modesto gegangen und Byrian und Sendang sind nach wie vor mit Weng und neuerdings mit Vicky unterwegs. Und bei Temporalities ist Sitas die treue Seele und Stella und Steph sind weg und dafür sind Debora und Robert mit dabei plus Karen.

Kurz: In den letzten 5 Jahren wurden fast alle Bereiche mindestens einmal neu besetzt – nur wir waren kontinuierlich mit Magda unterwegs und mit dabei ist nun Grace. Und wir sind froh um Sr. Bea, die nun Personalchefin ist und versucht den Laden so aufzustellen, dass das Personalkarussell mal zur Ruhe kommt.

Eine ähnlich beeindruckende Zahl an Personalwechseln gab es bei COMUNDO. Manchmal hatten wir das Gefühl, dass wir mal hier und mal dort unsere Themen zu Zusammenarbeit, Netzwerken, Fundraising, Kommunikation… immer wieder neu auflegen müssen. Aber über die Jahre haben wir festgestellt, dass einige Themen ein Dauerbrenner bleiben und wir manche Themen nicht nur wiederholen sondern mittlerweile so gekürzt, ergänzt, perfektioniert haben, dass wir sie wesentlich schneller an neue Kollegen herantragen können. Christian kam erst letzte Woche aus einem Team-Meeting, wo er die Inhalte von einem Project-Proposal, eine Fortbildung zu Reporting, einen Einblick ins Budget und Anmerkungen zu Kommunikation und Teamwork in nur einem Nachmittag verpackt hatte. Und solche Team-Meetings hat Christian schon so oft mit Magda geführt, dass sie sich mittlerweile die Bälle ohne Vorabsprachen inklusive einiger Praxisbeispiele zuspielen können. Nein, damit haben die neuen Kollegen nicht ihre Einarbeitung abgeschlossen, aber zumindest mal eine gute Grundlage, auf die nun kontinuierlich aufgebaut werden muss – weil bereits klar ist, dass einige der oben erwähnten Personen in absehbarer Zeit gehen und neue hinzukommen werden.

Wenn man sich Organsiationen wie ein Mobile vorstellt, dann gab es in den vergangenen Jahren verschiedene Aufhänger, Teilchen wurden ausgetauscht und umgehängt und ordentlich viel Wind hat alles durcheinander gewirbelt und irgendwo ganz unten da hängen noch immer Magda und wir. Und weil es bei uns das „Nachwuchs-Thema“ gab, waren wir nicht immer ein Ruhepol, sondern haben zusätzlich als Familie noch für Wirbel gesorgt. Ehrlich gesagt hätten wir nicht damit gerechnet, dass der Rafael uns nochmal so gewaltig den Alltag und die Arbeit umstellt.

Bei allen anhaltenden Unberechenbarkeiten ist aber nun eins klar: Das Abflugdatum steht fest, die Tage sind gezählt – mit uns kann das Vikariat ab Mitte August nicht mehr rechnen. Und wir begreifen unsere Resilienz im gemeinsamen Unterwegs-Sein mit Magda für die Familien im Vikariat. Denn letzten Endes zählen sie…


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wehmütig

06.20.2017Wehmütig.JPG

Tabea und Salome werden so langsam wehmütig. Mal hängen sie entspannt vor dem Haus ab und dann kann sie eine Kleinigkeit total frustrieren. Ihre beste Freundin Cyee wurde von der großen Schwester nach Hause gerufen, um beim Kinderhüten der jüngeren Geschwister und Aufräumen zu helfen. Das passiert ungefähr täglich einmal und unterbricht ihr Spiel. Nix Neues möchte man meinen. Aber diesmal waren die zwei Mädels völlig in Tränen aufgelöst, weil Cyee ja ihre beste Freundin ist, und sie gerade so nett mit ihr gespielt haben, und die große Schwester eine so unfaire Bestimmerin ist, und weil sie ja bald in Deutschland sein werden und dann nicht mehr mit Cyee spielen können…

Die Endgültigkeit von unserem anstehenden Umzug zu realisieren, ist für die Mädels echt hart – und für uns Eltern schon auch – wobei wir das ja nicht zum ersten Mal machen und wir das Vertrauen in uns haben, dass uns das alles schon gelingen wird…

Wobei wir auch gerade merken, dass es nochmal anders hart ist, weil wir eben die Mädels nicht nur ganz praktisch, sondern auch emotional begleiten und das berührt uns nochmal ganz anders…


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flexible Arbeitszeiten

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Wenn wir in den letzten Jahren etwas gelernt haben, dann ist es wohl Flexibilität im Arbeitskontext. Letztes Wochenende war ein PCC Training (Kinderpastoralprogramm) für Samstag und Sonntag geplant und dann am Montag ein Workshoptag für Kinder von OFWs (deren Eltern im Ausland arbeiten). Am Samstagmorgen klingelt dann das Handy: „Kommt jetzt, der Workshop wird vorverlegt.“ Also packen wir die Kinder zu den Materialien ins Auto und fahren nach Bauko. Vor dem Mittagessen steht noch nicht fest ob die Veranstaltung nun tatsächlich stattfindet oder nicht. Mit Magda und Grace und mit deren Teilnehmern vom PCC essen wir dann erstmal – weil ohne Essen geht ja gar nix – und versuchen zwischen Reis und Fleischbrühe mit den Lehrern zu klären, ob sie nun die Schüler heim geschickt haben oder doch noch welche nach der Mittagspause übrig sein werden. Jedenfalls schaut Grace mal nach dem Essen zur Schule, wo es denn möglicherweise einen Raum für die Veranstaltung geben könnte und wir packen mal die Taschen aus dem Auto. Unser Zeug tragen wir dann in einen Raum, wo noch Stühle gerückt werden; manche Schüler sitzen schon da und andere trudeln so langsam ein. Grace und Nicola streichen noch schnell die Hälfte vom Programm, denn von 42 OFW Kindern sind 16 da und die Ganztagesveranstaltung ist auf drei Stunden am Nachmittag zusammengeschrumpft. Es findet sich noch ein funktionierender Beamer inklusive Verlängerungskabel und Leinwand und schon gehts los…

Wir sind flexibel was Teilnehmerzahlen, Zeiten, Orte und Material angeht – aber ehrlich gesagt sind wir auch ganz gerne vorbereitet, damit wir die Teilnehmer vor Beginn der Veranstaltung schon mal in den Blick nehmen können – aber so gehören dann kooperative Übungen wie oben auf dem Bild gleich zu Beginn dazu, damit wir schneller einen Überblick über Einzelne und Dynamiken bekommen… und wir haben einmal mehr festgestellt: Auch wir können noch Jugendarbeit und es macht uns auch noch Spaß! Ach ja, auch unsere Kinder freuen sich über jedes PCC Trainingsmodul zu Gruppenspielen, Veranstaltungen mit Convent boys and girls oder eben Aktivitäten mit OFW Kindern – bei manchen Einheiten sind sie quasi schon Co-teamer. Wir wären zurück in Deutschland in Sachen Bildungsarbeit wieder offen – kann Familie sein, aber eben auch Jugend oder… und die Mädels brauchen definitv einen Platz in der Jugendarbeit wenn wir zurück in Deutschland sind…


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Einsatz in Zahlen

06.17.2017EinsatzinZahlen.JPG

Wie rechnet sich so ein Einsatz in der personellen Entwicklungszusammenarbeit? Eine etwas andere „Abrechnung“ haben wir heute spaßeshalber mal zusammengetragen. Auslöser waren wohl die Textaufgaben zum kleinen Ein-mal-Eins von Tabea und so haben wir mal ein paar andere Dinge hoch gerechnet (das kommt wohl davon, wenn man versucht die Endauswertung vom Einsatz vorzubreiten und dann mal eine Pause von Baseline, Output, Impact und Co braucht). Offensichtlich ist: Vor fast 5 Jahren sind wir mit drei Kindern aufgebrochen und kommen mit vier zurück.

Wenn wir jeden Monat in mindestens 2 der 22 Gemeinden waren und dahin im Durchschnitt 5 Stunden einfache Fahrt gebraucht haben, sind das 1200 Stunden im öffentlichen Nahverkehr exclusive der Wartezeiten.

Wenn wir pro Jahr je 2 Paar Flip-Flop aufgetragen haben müssten jetzt 50 Paar FlipFlop durchgelatscht sein – zuzüglich all derer, die unser Barfußkind Debora überall vergessen oder im Meer versenkt hat…

Wenn wir wöchentlich ca. 1.200 l Wasser verbraucht haben, sind das im Monat 4.800 l und insgesamt ca. 250.000 l – vermutlich weniger, denn dank unregelmäßiger Wasserlieferungen oder Straßensperrungen saßen wir oft auf dem Trockenen und haben das Wasser ganz schön oft rationieren müssen.

Obwohl Aunty Gloria versucht hat, uns in Sachen Wäsche zu unterstützen, haben wir wohl doch jede Woche einmal eine Ladung Handwäsche erledigt und das waren sicherlich 250 Stunden die wir lieber anders verbracht hätten und wir freuen uns riesig auf eine Waschmaschine.

Bei uns werden wöchentlich sicherlich 4 kg Bananen von unsern und den Nachbarskindern vertilgt, d.h. über unseren Küchentisch gingen rund 1000 kg Bananen vom Markt bzw. aus dem Garten.

Wenn wir täglich zweimal in die Stadt sind (und das gehen unsere Kinder, weil sie vormittags und nachmittags Schule haben) laufen wir 4 x 200 Stufen und kommen in der Woche somit locker auf 4.000, im Monat auf 16.000 und im Jahr sicherlich auf 200.000 pro Person, d.h. als Familie mehr als 5 Mio Stufen – uns kann keiner was im Auf und Ab des Lebens vormachen und wir widmen diesen Artikel Hermann Hesse:

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensstufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm‘ Abschied und gesunde!

 

 

 


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mabait

 

06.11.2017VierMonate.JPGRafael wurde in den letzten vier Monaten immer wieder als mabait (gutmütig) beschrieben – und wir hoffen sehr, dass ihm das bleibt. Er lässt sich von seinen Schwestern herumtragen und freut sich total, wenn sie sich zu ihm auf den Boden setzen oder auch nur mal zum Kuscheln vorbei kommen, weil sie untereinander Zickenalarm haben… Und am liebsten lässt er sich auf der Veranda herumtragen, wenn auch die Nachbarskinder herumspringen. Da gibt es viel zu sehen und viel Gekreische, in das er auch schon einstimmen kann…


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Eiersuche

06.06.2017Eiersuche.JPG

Salome findet auch nach Ostern noch Eier – und hier hat sie aus einer Tasche mit Puppenkleidern diese zwei Geckoeier gefischt. Für das erste Ei hatte sie ein kleine Schachtel gebastelt und das zweite Ei hat sie später völlig begeistert dazu gelegt: Jetzt können sie Freunde werden… Nur Tabea war skeptisch: Das ist sicher kein Schlangenei?!? Letztens war sie mit ihrer Freundin Kena in Ifugao unterwegs und da ist ihnen eine grüne Schlange über den Weg gehuscht. Uns Eltern hatten die Mädels zu dem Zeitpunkt schon abgehängt und wir haben sie nicht zu Gesicht bekommen, aber die Mädels hatten später erzählt… Tabea: „that was a big one“ (so etwa armdick) und Kena: „and it was a dangerous snake“… Tabea ist seither vorsichtig was Schlangen angeht und hat auch schonmal nachgefragt, ob den Schlangen in deutschen Wäldern giftig sind, ob sie auch im Bambus wohnen oder ob es Kobras gibt… Aber bei einem konnten wir jetzt schon mal Entwarnung geben: Die Eier von der Salome sind von einem Gecko – aber ob da noch welche schlüpfen… das werden wir dann wohl mit der Zeit sehen…


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Behördengänge

06.05.2017Behördengänge.JPG

Die Bürokratie verlangt uns manchmal schon besondere Schritte ab… Rafael brauchte in seinem neuen Reisepass noch ein gültiges Visum und dafür musste er bei der Einwanderungsbehörde in Baguio persönlich vorstellig werden. Also sind wir zum Bus in Bontoc, der aber nicht fuhr. Dann aber fuhr ein Van, allerdings genau bis zur Treppe an dieser Hängebrücke. Danach sind wir an einem Dorf vorbei spaziert und an ein paar Reisfeldern vorbei und dann über die andere Hängebrücke wieder zur Straße rauf und in einen der dort wartenden Busse weiter nach Baguio. Somit sind wir also die Brückenbauarbeiten zwischen Sabangan und Bontoc „umgangen“. Auf dem Rückweg war das Flussbett wieder für Busse befahrbar – zumindest vorübergehend und wohl auch nur bis zum nächsten stärkeren Regen. Und die Mädels tragen solche Touren mit Fassung und laufen schlichtweg mit…

06.05.2017Behördenfahrt.JPGBehördengänge werden wohl in Deutschland für uns weniger abenteuerlich und zeitraubend sein, aber wir sind auch schon gespannt, was uns dann dort erwartet… Und nur um die Geschichte von oben noch abzurunden: Also die Geburtsurkunden – Reisepass – Visaantrags-Geschichte ist auch nach vier Monaten noch nicht zu Ende. Rafaels Visum muss nochmal im Juni verlängert werden und zwar bis zum 11. und dann muss er eine weitere Ausreisegebühr zahlen und zwar frühestens erst ab dem 17. und somit machen wir diese Tour in einer kleineren Besetzung wohl noch zwei Mal, bevor wir dann ganz ausreisen werden…

Ach ja und für Insider: Die Brücke in Sabangan kennen wir ja noch im „alten“ Zustand bis sie vor ein paar Jahren abgerissen wurde, um eine Neue zu bauen – diese wird auch noch immer gebaut, weil der Bauunternehmer sich mit diesem Projekt wohl etwas verhoben hat. Deshalb gab es eine vorübergehende Konstruktion, die bei einem Starkregen erst den mittleren tragenden Pfeiler verloren hat; der Taifun Lawin hat dann letzten Herbst das ganze Gerüst mitgerissen. Dann ist mal unser Gepäck auf einem Floss über den Fluss und wir über Bambusbrücken und dann wurde der Fluss mit Durchlaufrohren und Aufschüttungen für Fahrzeuge befahrbar gemacht, zumindest jeweils für ein paar Tage. Und diese Endlosgeschichte scheint vor allem die Lokalzeitung mit Bildmaterial zuverlässig und wöchentlich zu füllen. Was wir gelernt haben: Es gibt da trotzdem immer einen Weg und der tut sich erst auf, wenn man davor steht…