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Abschied vom Vikariat

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Mit Bischof Valentin Dimoc waren wir hier im Apostolischen Vikariat Bontoc-Lagawe gemeinsam unterwegs. Dies ist eines der wenigen Bilder, wo er aussieht wie ein Bischof im Bilderbuch. Wir mögen ihn aber auch mit Flipflops, T-Shirt und kurzer Hose – und für uns wird er so manchmal noch mehr erkennbar als Bischof: Wenn er selber hinterm Steuer sitzt, um Gemeinden aufzusuchen; wenn er sich Zeit nimmt für die Leute an der Basis und von ihren Herausforderungen zwischen Nebelwald, Reisfeld und biologischem Gemüseanbau hört; wenn er sich mit seinem Laptop einfach so bei einer Kollegin ins Büro setzt und dort neben ihr home office macht oder spontan die Verwaltungsangestellten zum Essen einlädt. Das schätzen wir an „unserem“ Bischof – und klar sind wir mit unseren KollegInnen herausgefordert, wenn er mal wieder eine visionäre Planung gut für 20 Jahre und ein halbes Duzend Personal als Jahresziel für eine handvoll Leute erklärt oder nur so von Ideen und Projekten sprudelt und wir alle nur so mit den Ohren schlackern. So ist er eben auch und wir haben gelernt, dass so wohl auch andere Bischöfe in den Philippinen unterwegs sind. Und wir haben gelernt, dass die kleinen Schritte dazwischen eben mit dem Pastoralteam gegangen wird. In kleinen Abschnitten und manchmal im Kreis oder wieder von vorne – vor allem aber geduldig und mit den KollegInnen. Heute verabschieden wir uns von ihnen – sie gehen ihren Weg hier weiter und wir machen uns auf zu neuen Wegen…

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Bischof Beltran RIP

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Bontoc-Lagawe hat sich von ihrem ehemaligen Bischof Beltran verabschiedet, der letzte Woche gestorben ist. Als wir seinerzeit in Bontoc ankamen, wurde er gleich im Januar 2013 in Bontoc verabschiedet und wir waren bei seiner Begrüßung in der Nachbardiozese San Fernando / La Union mit dabei. Letzten Freitag ist Christian mit Bischof Val und einem dutzend Priestern und zwei Bussen voll Mitarbeitern, Ordensschwestern und Gemeindemitgliedern zur Totenwache gefahren. Das muss man sich in etwa so vorstellen: 8 Uhr Abfahrt in Bontoc, dann Zustieg in Lagawe, Mittagessen in Lamut und pünktlich zum Abendessen in La Union. Dann folgt die Totenwache mit Gesängen und Erzählungen aus dem Leben bis kurz nach Mitternacht und die Rückreise auf der oben beschriebenen Strecke. Also war Christian zum Mittagessen wieder daheim.

Interessant ist, was dann immer so bei einer Totenwache geteilt wird: Er war großzügig, er war gesellig, er war…

…und aus COMUNDO (ehemals BMI)-Kreisen hörten wir via Mail und facebook: Er hat unser Wirken hier ermöglicht, er wurde gemocht, er war…

Und auch für uns stimmt es: Er hat unseren Einsatz hier ermöglicht, er hat uns willkommen geheißen – und er ist vor uns gegangen…

Bei diesem zweiten großen Abschied war allerdings etwas anders für uns bzw. wir sind hier jetzt jemand anderes für unser Vikariat. Während wir damals noch neu und unbekannt waren, musste Christian sich diesmal immer wieder erklären: Ja, er ist alleine unterwegs und nein, Frau und Kinder sind auf dieser langen Strecke nicht mit dabei…


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Forum zur Rehabilitation von Drogensüchtigen

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Verschiedene Steakholder aus Bontoc haben sich vor einer Woche zu einem Forum in Teng-Ab getroffen, um über ein Rehabilitationsprogramm für Drogensüchtige zu beraten. Mit dabei waren Mitarbeiter von Teng-Ab, die Polizei, das Militär, Sozialarbeiter, kirchliche Verbände (Couples for Christ) – insgesamt mehr als 40 Teilnehmer. Der Impuls wurde von einer Selbsthilfegruppe aus Baguio gesetzt, die sich im Rehabilitations-Bereich spezialisiert hat.

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Es war eine nicht nur informative sondern interaktive Veranstaltung, denn viele der Teilnehmer hatten bisher kaum Zugang zu dem Thema oder Kontakt mit Drogenabhängigen. Wohl gemerkt gibt es auch nicht viele in Bontoc, denn ein viel größeres Problem als Drogen (konkret heißt das Marihuana oder Shabu – Chrystal Meth) ist hier der Alkohol (da wären dann die Zahlen von Betroffenen auch viel höher).

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Bischof Val ist ein Mann der Tat (wir denken uns manchmal, er hätte auch gut Sozialarbeiter werden können) und so gab es am Nachmittag noch ein Treffen mit konkreten Absprachen: Von den 60 bekannten Drogenabhängigen aus Bontoc werden vermutlich 30 an einem Rehabilitationsprogramm in Teng-Ab teilnehmen. Die erste Woche wird das Team aus Baguio gestalten, dann folgen drei Wochen unter der Regie von den jeweiligen Stakeholdern. Wir sind gespannt – aber es soll im April schon los gehen. Also Fortsetzung folgt!

Noch als Hintergrund: In der vergangenen Woche wurde der Gesetzesvorschlag zur Wiedereinführung der Todesstrafe für Drogenabhängige und Drogendealern in eine weitere Entscheidungsrunde gehoben. Die Kirche spricht sich vermehrt und unüberhörbar für das Leben aus, aber die Politiker scheinen das nicht wahrzunehmen und überstimmen unglaublich hoch die Todesstrafengegner.


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Aktiver Gewaltfreier Widerstand

 

02-19-2017facebookDie katholische Kirche in den Philippinen positioniert sich beim WALK FOR LIFE klar: „we have to cultivate a culture of non-violent political action“. Am 18. Februar organisierten sich landesweit Katholiken zusammen mit den Ordensleuten, Priestern und Bischöfen. Mit dabei war unser Bischof Valentin Dimoc mit einer Delegation von „Knights of Columbus“ (Katholischer Männerverband) und den Ältesten aus Lagawe. Ihre Form von gewaltfreiem Widerstand war ein Ritual, gegen die Bestrebungen des Congresses die Todesstrafe wieder einzuführen. Das Foto oben wurde auf facebook dazu gepostet.

 

02.19.2017AVBL.jpgIn Manila war Bischof Val zusammen mit den Bischöfen auf der Straße, mit denen wir letzten Oktober für MISSIO in Deutschland unterwegs waren. So wurde bei MISSIO nicht nur Geschichte in Deutschland geschrieben, sondern Beziehungen haben sich durch das gemeinsam unterwegs sein gefestigt und bauen sich hier weiter aus – bzw. mobilisieren Menschen.

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Bischof Val war also mit Delegierten aus dem Vikariat Bontoc-Lagawe in Manila auf der Straße, um für das Leben zu maschieren. Und darüber gibt es unzählige facebook posts, social media Artikel (CBCP), Meldungen in den nationalen Medien (Philippine Sunday Inquire) und internationalen Nachrichten (Tagesschau). Die Kirche bezieht sichtlich und nachlesbar Stellung für das Leben. Für unseren Bischof übrigens nix Neues. Letztens wurde er über facebook international angefragt, was denn er jetzt hinsichtlich der killings und Todesstrafe mache. Und er antwortete kleinlaut: „Ich predige doch schon seit einem halben Jahr in meinen Gemeinden für das Leben und gegen das Töten – und das machen wir hier weiterhin.“ Vielleicht kann man da noch hinzufügen: jetzt etwas organisierter und unübersehbar. Allerdings ist das nur eine sichtbare Form des kirchlich organisierten gewaltfreien Widerstandes. Die Ordensoberen haben in den vergangenen Wochen alle Congressabgeordneten persönlich aufgesucht, um ihnen fernab der Medien und ganz persönlich ins Gewissen zu reden. „Für das Leben“ werden hier ganz unterschiedliche Register gezogen – mal laut und mal leise und beide Formen sind nicht neu im philippinischen Widerstand gegen politische Auswüchse. Die Sonntagsausgabe vom Philippine Inquirer hat ein Zitat von Cardinal Tagle auf der ersten Seite: We should not be propagating violence but challenging it with nonviolence“ und weiter unten: Thousands gather for a dawn rally to reject President Duterte’s war on drugs that has left over 7,000 dead and attempts by his allies to revive the death penalty. This is a „show of force“ from the Catholic Church, which has been instrumental in removing two Presidents in the past.

Wir beobachten das alles gerade via social media und printmedien aus Baguio. Es ist interessant zu sehen was sich hier kirchlich und gesellschaftlich bewegen lässt. Bischof Val scheint zur rechten Zeit an den richtigen Orten und mit unterstützenden Menschen unterwegs zu sein. Wir sehen das Vermächtnis von Bischof Claver SJ in ihm, der ebenfalls furchtlos die Mängel in Gesellschaft und Politik angesprochen hat und mit seinem Kirchenvolk Stellung bezog. Zwischen Erzbischof Socrates und Cardinal Tagle wird Bischof Val zitiert „We will not be bullied or intimidated“ – ob er nicht nur seinen Leuten sondern auch sich selber damit Mut zugesprochen hat? Denn zeitgleich sehen wir Kommentare zu seinem Engagement – nicht alle sind positiv, es gibt auch unübersehbar negative Stimmen…


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[unternehmungslustig]

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Als Familie waren wir mit Bischof Val quer durch Europa unterwegs: Deutschland, Schweiz, Frankreich, Belgien… Neben vielen Arbeitseinsätzen gab es auch ein bisschen Kultur: Wie hier in Cluny in Frankreich. Und viele der Begegnungen und Entdeckungen klingen jetzt noch nach. Somit ist die reiselustige Zeit zwar vorbei, aber die Erinnerungen und angestoßenen Gedanken kommen in den Gesprächen immer wieder hoch. Es scheint, als wollte Bischof Val mit uns noch ein bisschen reiselustig im neuen Jahr bzw. in Zukunft in Sachen Pastoralprogramm unterwegs sein. In diesen Tagen stehen Gespräche mit den Kolleginnen und unserer neuen Programm-Managerin Sr. Bea an. Wir sind gespannt wie sich die Weichen stellen unter dem Motto: Listening to and Journeying with Young People.


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Achterbahn-Gefühle

10.28.2016AchterbahnGefühle.jpgWie fühlt es sich an, von der Europatour nach Bontoc heim zu kommen? Kurz: Unsere Gefühle fahren Achterbahn (oben im Bild sitzt Tabea mitten drin und Salome und Debora schauen zu – auf dem Memminger Jahrmarkt) und wir hoffen / befürchten, dass diese Gratisfahrt auf dem blog von uns für euch einiges an Zeit und Nachdenken kosten wird und es wird sicherlich auch unbequem…

Wir fühlen

DANKBARKEIT für Nachbarschaftshilfe: Während unserer Abwesenheit haben sich Aunty Gloria, Aunty Grace und Oncle Carlito um Haus, Garten und Tiere gekümmert. Das Haus war geputzt, die Wäsche gewaschen, der Anbau ausgewischt, der Wassertank gefüllt. Der Garten ist aufgeräumt: Die verwehten Blätter der Papaya aufgesammelt und es hängen sogar noch drei kleine Papayas; eine Banane hat es völlig zerlegt und der Rest scheint sich zu erholen. Leider sind dem Aufräumaktionismus die Rosen, der Basilikum, die Blumen, die Aloevera, zahlreiche Chili-Pflänzchen, Teile der Dragonfruit zum Opfer gefallen – aber wächst ja wieder – nächste Regenzeit ab April. Der Hund hat uns stürmisch begrüßt und im Hühnerstall saßen der Gockel und das Huhn auf Eiern im Nest. Die drei Küken sind stattlich gewachsen und haben sich selber in den Kaffeebaum unterhalb des Hühnerstalls ausgewildert. Wir sind dankbar, dass Haus und Garten bei dem schweren Taifun so glimpflich davon kamen und dass wir so tolle Nachbarn haben. Die auch heute schon alle vorbei kamen und denen wir ein kleines Pasalubong (Mitbringsel) mitgebracht hatten.

ZUGEHÖRIGKEIT dank des herzlichen Willkommens unserer Kolleginnen: „Wie haben euch die Menschen vor Ort denn aufgenommen?“ wurden wir in Deutschland immer wieder gefragt. Und ganz frisch können wir sagen: Wir wurden wieder herzlich willkommen geheißen! Dazu als Erinnerung: Anders als die Menschen im Tiefland sind die Menschen in den Bergen weniger emotional ausdrucksstark und eher wortkarg. Da finden wir es bemerkenswert, wenn die Kolleginnen sagen: welcome back / we missed you / good to have you here again / we are looking forward to continue working with you / I still have so many plans to realize with you… das sind hier keine aufgesetzten Floskeln, das kommt mit einem breiten Lachen und einer herzlichen Umarmung von innen.

ZUVERSICHT dank Bischof Val: Vor unserer Abreise in Deutschland haben uns die Bilder vom Typhoon auf facebook, in den Nachrichten und you-tube sehr aufgewühlt und nachdenklich gestimmt: Wie geht es den Menschen vor Ort nach dem Typhoon und wie kommen wir wieder nach Hause? Die gleichen Fragen haben auch Bischof Val beschäftigt und seine Haltung dazu: „Da ist immer ein Weg.“ Damit hat er auf die Widerstandskraft der Menschen vor Ort angespielt, die dank des Gemeinschaftsinns Wege finden, um Menschen und Güter zu bewegen. Aber da schwingt auch sein eigener Anspruch als politischer Kirchenmann mit: Ich will mich mehr dafür einsetzen, dass es neue politische Richtlinien gibt bzw. die bestehenden so befolgt werden, dass Politik den Menschen in Gemeinschaft und der Umwelt dient und diese nicht ausnutzt. Kurz: Die Anpassungsfähigkeit der Menschen ist gut nach einer Katastrophe, aber es muss uns eine Lehre sein, dass wir uns nicht in Zukunft in solche Bedrängnisse bringen lassen, sondern dass Pläne / Bauvorhaben / politische Entscheidungen schützend wirken und dass sich Entwicklung bedacht ereignet.

WELTVERBUNDENHEIT dank social media: Bei face-book haben viele Menschen Gesicht gezeigt. Wir haben die Solidarität gespürt von Familie, Freunden und anderen Personen von Organisationen mit denen wir medial verbunden sind. Ein Gedanke, ein Wunsch, ein Emoticon… aus Deutschland, England, Kosovo, Malaysia etc.

UNTERSTÜTZUNG dank Internationaler Entwicklungs-Zusammenarbeit: Während Entwicklungshilfe vor Jahren noch eine Einbahnstraße war (der globale Süden bittet den globalen Norden um Hilfe) manifestiert sich internationale Entwicklungszusammenarbeit heute als eine Brücke, die von beiden Seiten begehbar ist. Das haben wir in den letzen Wochen immer wieder bei MISSIO erlebt: JA wir wollen für Pastorale Projekte in den Philippinen spenden und JA wir wollen von euren Pastoralen Erfahrungen in den Philippinen hier in Deutschland lernen.

Bemerkenswert sind Die Sternsinger! Die haben wir im vergangenen Jahr besucht und sie haben uns an das Kinderpastoralprogramm in den Philippinen vermittelt – das mittlerweile in einer unserer Gemeinden erfolgreich läuft. Davon hat Bischof in diesem Jahr selber in Aachen berichten dürfen. Das ist noch nichts besonderes zwischen Partnern in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Bewegt hat uns dann eine E-mail-Initiative von den Sternsingern an Bischof und uns, die sich wie folgt zusammenfassen lässt: Wir haben vom Typhoon gehört und können uns nur schwer die Zerstörung vorstellen. Wir sind keine Nothilfe-Organisation zum Aufbau von Häusern wie die Caritas, aber wir sind bereit euch bei notwendigen Programmen für Kinder in den betroffenden Regionen zu unterstützen.

Da lesen Partner in Europa nicht nur Nachrichten sondern machen eine Tür auf und bieten Unterstützung im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Richtlinien an. Gelungene Internationale Entwicklungszusammenarbeit buchstabiert sich nicht nur professionell durch Anträge von Süd nach Nord aus, sondern hat darüber hinaus die Menschen in ihren konkreten Situationen im Blick und reagiert initiativ von Nord nach Süd.

SICHERHEIT dank AGEH-Coach: Wir sind der AGEH sehr dankbar, dass sie uns seit vier Jahren einen Coach an die Seite stellen, der mit uns immer wieder das Thema Sicherheit von unterschiedlicher Seite beleuchtet. Gerade in Stressituationen fehlt uns die Objektivität und vor allem scheinbar die Zeit, sich nochmal anders mit dem Thema auseinander zu setzen. Da sind wir sehr dankbar, dass wir einen Coach haben, der nicht nur auf unsere Anfrage hin reagiert, sondern vor allem in Krisen da ist, wenn wir scheinbar gerade keinen Kopf für Coaching haben. So auch seine Initiative kurz vor unserer Rückreise und der Frage wie / ob wir nach Hause gehen…

  • Ihr als Eltern wollt nach Hause, wo keine Straße offen ist, es keinen Strom und keine Kommunikation gibt – wollen das auch eure Kinder? Jetzt – oder vielleicht ein bisschen später?
  • Ihr wollt solidarisch mit den Nachbarn und Partnern unterwegs sein, aber hilft das denen gerade jetzt, wenn sie sich auch noch bei all den eigenen Sorgen sich um euch auch noch sorgen müssen?
  • Wenn ihr euch selber aus einer jetzt sicheren Situation in eine aktute Risiko-Situation bewegt, wo gibt es institutionelle Unterstützung (AGEH, Versicherung etc.) im ungünstigsten Fall in einem zusätzlichen Notfall unter diesen bereits verschäften Bedingungen (wie viel mehr ist der LSP belastbar?)
  • Trefft eine Entscheidung als Fachpersonen, Eltern und vor allem zusammen mit euren Partnern vor Ort, die euch und die Situation kennen.
  • Und das Wichtigste: Als Coach stehe ich euch zur Seite, meldet euch, ich melde mich auf jeden Fall wieder und verfolge aufmerksam euern blog / facebook.

Gleich nach unserer Rückkehr in Manila haben wir an einem Landestreffen teilgenommen: Im Jetlag und Kulturschock zwischen den Welten. Es gab direkten Austausch mit den anderen Fachpersonen im Land, darüber wie sie sich derzeit organisieren, unterwegs sind und kommunizieren. Auch darüber wie sie institutionelle Unterstützung während des Ernstfalls erlebt haben. Und wir haben gesehen, wie sie mit ihren lokalen Partnern unterwegs waren und wie die Partner neben ihnen stehen. So erleben wir auch immer wieder unsere lokalen Partner als starke Stütze an unserer Seite „in guten wie in schlechten Zeiten“. Es ist weniger eine Frage nach: Was ist unser Notfallplan sondern Wer ist unser Notfallplan vor Ort / zu den Menschen mit denen wir uns verbunden fühlen.

Wir sind die Rückreise zusammen mit Manong Richard im Bischofsauto und mit unserer Kollegin Magda angetreten. Es ist gut, dass wir nun wieder zu Hause sind. Und wir sind dankbar, dass unser Lokaler Sicherheitsplan dank unserem Coach nicht nur ein Stück Papier ist, sondern uns bei Entscheidungen hilft die Lage von verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und bedacht vorzugehen.

WIDERSTANDSKRAFT trotz Typhoon Lawin: Wir sehen wie resilient und anpassungsfähig die Menschen in der Cordillera sind. Sie waren vorbereitet auf diesen Typhoon oder wie es unser Nachbar Tudlong jr. gesagt hat „Wir haben unsere Lektion von Yolanda in den Visayas gelernt. Unsere Emergency Response Teams haben die Menschen vorbereitet und es hat niemanden in der Mountain Province das Leben gekostet.“ Der Klimawandel, ausgelöst und beschleunigt durch die Länder im globalen Norden, bringt die Länder des Südens immer öfter in noch bedrohlichere Situationen. Uncle Carlito meinte heute: „Ich kann mich nicht an einen so starken Typhoon erinnern, der so viel zerstört und solche Wassermassen bewegt hat.“ Die Stärke der Menschen in der Cordillera ist ihre Naturverbundenheit und das noch weitgehend intakte Ökosystem in den Bergen, dass noch starke Stürme abbremsen kann. Ihr Gemeinschaftssinn räumt Verwüstung auf und überbrückt zerstörte Infrastruktur.

Bemerkenswert finden wir hier noch, wie angepasst sich auch hier unsere Kinder bewegen: Die Brücke in Sabangan ist zerstört, eine Weiterfahrt im Auto nicht möglich, also steigen sie aus und benutzen wie alle anderen einen schmalen Bambussteg über den Fluss. Statt Schuldige zu suchen oder sich über die Situation zu beschweren und stecken zu bleiben, schauen sich unsere Kinder die Anpassungsfähigkeit der anderen ab und beweisen selber Widerstandskraft.

ZWEIFEL beim Anblick unseres Hauses: Wie oben beschrieben ist alles sauber und scheinbar wie sonst im Chocolate House. Allerdings fällt unsere Mosquito-Blechtür nicht mehr wie gewöhnlich zu und beim zweiten Schloss an der Holz-Haustür lässt sich nicht mehr der Riegel zuschieben. Je länger wir darüber nachdenken desto mehr kommen wir zu dem Schluss, ob sich nicht vielleicht das Haus als solches ein Stück bewegt hat und sich dadurch Tür und Rahmen verzogen haben. Wenn sich hier nichts weiter bewegt, werden wir trotz Zweifel wohnen bleiben, aber einer möglichen Nachfolge aus der Schweiz oder Deutschland im nächsten Jahr empfehlen wir, sich eine andere Bleibe zu suchen. Zweifeln an der Sicherheit des Hauses trägt nicht zu einem Lebens-Mehr-Wert bei.

SORGE beim Anblick der Markpreise: Unsere Lebenskosten haben sich schlagartig verdoppelt. Das ist krass für uns und ein Desaster für den Geldbeutel unsere Nachbarn. Kerzen haben während des Stromausfalls nicht 35 sondern 70 Peso gekostet, für ein Kilo Kartoffeln zahlen wir nicht 40 – 60 Peso sondern 120, sogar der billige NFA Reis kostet keine 27 Peso sondern mehr als 30 (das ist das Grundnahrungsmittel und wird Sackweise von Familien eingekauft und konsumiert – da summiert sich jeder Peso per Kilo rasant). Etwas beruhigt waren wir, als mehrere Boxen Medikamente für die Apotheke mit uns den Fluss überquert haben. Wir fragen uns, wie die wirklich unhandsamen Dinge nach Bontoc kommen: Gasflaschen für den Herd, Diesel für die Fahrzeuge, Sauerstoffflaschen fürs Krankenhaus… Wir hören schon unseren Bischof: Die werden einen Weg finden… Und dann unser deutsches: Ja, aber…

UNGEWISSHEIT bezüglich der Lebenssituation in den unterschiedlichen Gemeinden: Als nächstes werden wir wohl Kontakt zu den Freiwilligen im Kinderpastoralprogramm in Paracelis suchen. Die Region grenzt an Isabela und liegt somit am Bergrand und war dem Sturm ungeschützt ausgeliefert. Die Menschen hängen von Mais-Monokulturen ab, die sich durch Kredite bei Banken finanzieren. Eine zerstörte Ernte ist ein finanzielles Desaster und treibt Familien in die Verschuldung / Armut. Unsere 30 Freiwilligen arbeiten bereits mit über 170 Familien in denen Mangelernährung ein Thema ist – und wohl auch erstmal bleiben wird. Magda wusste bereits, dass die neuen (Kräuter)Gärten in zwei Gemeinden zerstört sind. Da werden wir also wieder bei Null anfangen. Und das nicht zum letzen Mal, denn der Klimawandel wird öfter starke Typhoone über die Region ziehen lassen, dessen sind sich Klimaforscher sicher. Magda hat bereits um eine Nachfolge in der Schweiz für uns mit dem Schwerpunkt Kinderpastoralprogramm Paracelis incl. einkommensschaffender Maßnahmen (alternativer Anbau / Vermarktung von ökologischen / fairen Produkten) gebeten. Die Ordensgemeinschaft vom Kinderpastoralprogramm sucht eine neue Bleibe als Außenstation und Bischof Val hatte bereits in Deutschland anklingen lassen, dass er sie gerne in die betroffene Region einladen möchte. Paracelis wird wohl das Armenhaus der Mountain Province bleiben, aber hoffentlich in den nächsten Jahren mehr personelle Unterstützung bekommen und Strategien entwickeln, wie die Lebenssituation sich trotz heftigerer Herausforderungen stetig verbessern kann.

WUT auf korrupte Bauunternehmen und Politiker: Die Infrastruktur ist zerstört und wir leben nun isoliert vom Tiefland. Die Brücke zwischen Samoki und Bontoc ist nicht mehr befahrbar (weil sie nicht stabil genug gebaut wurde, weil im Fluss weiter unten Sand geschöpft wurde, weil die lokalen Behörden dies nicht verhindert haben, weil der Typhoon eben so stark und die Strömung vom Fluß ungeheuerlich war, weil…). Die provisorische Brücke zwischen Bontoc und Sabangan ist ganz weg und die Brückenbauarbeiten für die neue Brücke noch nicht weit genug fortgeschritten. Straßen sind entweder ganz weggebrochen und in den Abhang gestürzt oder Erdrutsche haben Stützmauern auf die Straße gerissen. Dieses Bild erstreckt sich über Kilometer hinweg. Wir waren schockiert und haben noch nie zuvor so viele Straßenschäden auf der Heimfahrt gesehen. Manche Gemeinden haben es bereits geschafft Straßen zu säubern, aber die Erdhaufen am Straßenrand erzählen viel. Und manns- bis haushohe Felsbrocken auf der Straße lassen uns die Sprache verschlagen. Das wohl gemerkt auf der Hauptverbindung zwischen Baguio und Bontoc. Wir können uns nicht vorstellen wie die Verhältnisse in den abgelegenen Ortschaften sind, d.h. die Substanz der Straßen, Brücken und Mauern konnte der Belastung durch die immensen Wassermassen nicht standhalten. Bischof Val und seine Social Action Teams in den Gemeinden haben die vergangenen Jahre versucht solche Bauarbeiten zu monitoren und Mängel aufzudecken, damit genau solche herausfordernden Wetterbedingungen die Menschen nicht von ihren Zugangsstraßen abschneiden. Aber es waren immer auch selbstsüchtige Interessen der Bauunternehmen und Politiker im Spiel. Geld ist nicht in Zement und Substanz geflossen sondern es wurde dort gespart, um eigennützige und eben nicht gemeinnützige Kosten zu decken.

OHNMACHT beim Anblick unserer enttäuschten Kinder: „Mama wann feierst Du mit mir meinen Geburtstag nach?“ (Während des arbeitsreichen MISSIO-Einsatzes haben wir Salome versprochen ihren Geburtstag als Familien in Bontoc nachzufeiern). Die ernüchternde Antwort: „Keine Eier – kein Kuchen“. Unseren gewählt einfacher Lebenstil erfahren wir gerade als sehr einschränkend und das Geld auf unserem Bankkonto ändert gar nichts an der Auswahl der Produkte auf dem Markt. Gelebte Solidarität ist kein schönes Trendwort für unseren Lebensstil sondern hat Konsequenzen für uns und unsere Kinder und denen tut das eben auch weh oder macht sie wütend. Sie haben soeben Urlaub in der sogenannten Ersten Welt gemacht, in der scheinbar alles für Geld zu haben ist und zwar immer auf Wunsch: Pudding, Götterspeise, Kuchen, Weißwurst, Brezeln… Und sind nun zurück in unserem Alltag im gobalen Süden, wo die Umwelt und die Menschen den Preis für einen oftmals maßlosen, konsumorientierten Lebensstil des globalen Nordens zahlen. Unsere Kinder erfahren wie ungerecht es in der Welt zugeht. Salome wünscht sich übrigens keine Eier – es wäre auch zu einfach Eier-Ersatzpulver in einem Päckchen zu verschicken. Als sie gehört hat, dass sich gerade wieder Tiefdruckgebiete über den Pazifik organisieren, war ihr wütender Wunsch sehr deutlich „Ich will keinen Typhoon mehr, der so viel kaputt macht!“ Dieser Wunsch lässt sich nicht so schnell backen und die Ohnmacht lässt uns nicht in Ruhe: Wie können wir den Kindern vermitteln, dass wir durch unseren gewählten Lebenstil dazu beitragen wollen, damit sich genau dieser Wunsch erfüllt? Ein Leben in Fülle für alle ist unsere gelebte Vision / Mission. Veränderung beginnt laut Ghandi bei uns selber und über das Zitat bin ich eben gestolpert: We are what we (repeatedly) do. Excellence, then, is not an act, but a habit.

UNGERECHTIGKEIT durch ignorante Medien: Der Super-Typhoon Yolanda, der in den Visayas so viel zerstört und so viele Menschenleben gekostet hat, hatte es international in die Medien geschafft und eine Spendenwelle ausgelöst. Der Super-Typhoon Lawin, der über unsere Region gezogen ist, so viele Lebensgrundlagen (Infrastruktur und Ernte) zerstört hat und auch Menschenleben in den Nachbarprovinzen gekostet hat, fand kaum Erwähnung in den internationalen Medien. Damals haben wir Interview-Anfragen von verschiedenen Organisationen und Spenden-Angebote von verschiedenen Seiten erhalten. Unsere ernüchternde Erkenntnis: Scheinbar reagiert die Szene der internationalen Organisationen nur, wenn entsprechend Medienpräsenz da ist und es sich auch spendentechnisch lohnt auf das sinkende Schiff aufzuspringen und von der Katastrophe entsprechend zu profitieren. Die Meldungen von uns Fachpersonen über unsere facebook accounts und unsere blogs, das was wir über verschiedene institutionelle und private Kanäle versuchen zu teilen, verhallt scheinbar ungehört und bleibt überraschend oft ungesehen und unkommentiert. Die Ignoranz der verschiedenen Medien empfinden wir als ungerecht. Eine gute Geschichte muss sich scheinbar nur für die Auflagezahlen oder Spendenabteilung lohnen und hat keinen Wert als Bildungsbeitrag. Dabei könnte da von den Erfolgen bzgl. Desaster Preparedness und Emergency Response (Katastrophenschutz) erzählt werden. Und die schleichende Not im Alltag und der Ernteausfall wird es wahrscheinlich auch erst in die Medien schaffen, wenn es viele Menschenleben kostet und Erwähnung in den internationalen großen Medien findet. Die selektive Wahrnehmung durch die ignoranten Medienabteilungen verschiedener internationaler Organisationen frustriert uns und lässt uns zweifeln, ob wir denn wirklich Brücke sein können. Was für ein kleines Sprachrohr sind wir und wie viel können wir wirklich von der Lebensrealität der Menschen aus dem Süden im Norden teilen?!?

Hoffentlich ist diese Achterbahnfahrt unserer Gefühle nicht zu einer Geisterbahnfahrt mit der Moralkeule im Nacken geworden. Die Kommunikationsexperten nach Rosenberg erkennen den verdrehten / vereinfachten Dreischritt: Das hier waren Schritt 1) Gefühle und Schritt 2) Wahrnehmungen, die eben diese Gefühle auslösen inkl. einer Wert-Schätzung. Jetzt noch Schritt 3) Wünsche.

Wir wünschen uns Verständnis dafür, dass auch wir manchmal die Luft rauslassen müssen und zwar emotional aufgeladen, ganz frisch und ungefiltert. Und wir wünschen uns Veränderung: Mit uns, mit den Menschen hier und weltweit. Ja, wir sind Idealisten, wollen (Lebens-)Weltverbesserer sein und für uns gibt es dazu keine Alternative. Und wir können nur appellieren: Die Welt braucht mehr Menschen und Organisationen, die sich mit Menschen in der Welt nicht nur professionell auseinander setzen, sondern zwischenmenschlich in Beziehung setzen. Und auf vielfältige Weise ihre Solidaität und den Wunsch nach Veränderung zum Ausdruck bringen:

  • durch Spenden und mehr noch durch bewussteren Konsum von Gütern / Dienstleistungen. Wir wollen mitwirken an der Vision von einem Leben in Fülle für alle.
  • durch den bewussten und schlicht bedarfsorientierten Verbrauch von Ressourcen (einfache Übung: sich ruhig in die Konsumfalle im Kaufhaus / Supermarkt locken lassen und dann die Dinge aus dem Korb doch wieder ins Regal stellen: Ich kann es mir leisten, aber ich brauche es nicht. Ich habe vor der Abreise drei Kindergesellschaftsspiele zurück ins Regal gestellt und was Du?). Buchtipp: Einfach die Welt verändern. Oder die englische Variante der ehemals Bewegung: „We are what we do“ und jetzt (überraschend anders) shift for behaviour change
  • durch Aufmerksamkeit und Zugewandsein als professionelle Mitarbeiter in Organisationen oder Medien und schlicht zwischenmenschlich sorgend. Nicht nur den großen fetten Schlagzeilen folgen, sondern gerade dort hinschauen / hinhören wo es nötig ist, weil eben „die Großen / Lauten“ das nicht tun und signalisieren, dass man das tut weil eben jedes Leben / Schicksal gleich viel wert ist – das kommt hier vor Ort bei den Menschen / unseren Projektpartnern tatsächlich gut an. Schlicht nach dem alten Post-Motto: Schreib doch mal wieder!

In diesem Sinne: Danke all denen, die es bis zu diesem Satz geschafft haben. Danke für was immer der Anlass war, unseren Gefühlen und Lebens-/Arbeiswirklichkeiten und Wünschen entsprechend Raum und Zeit zu geben.


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gut gestimmt

10-21-2016interviewWir sind gut gestimmt, auch wenn uns unsere Stimme verlassen hat. Die letzen Wochen waren wir in den Bistümern Mainz, Limburg und Fulda unterwegs: Schulklassen, Gemeindeabende, Fachgespräche, Studientag, Familien-Cafes, Interviews, Gottesdienste… und ähnlich sah es beim Bischof Valentin in München, Eichstätt und Speyer aus. Ein paar Eindrücke finden sich hier:

Schiffswallfahrt

Familienwallfahrt

Interview

Kirchenzeitung

Lokalzeitung

… und das nette ist, dass unsere Kollegen aus Ecuador gerade auch in Deutschland mit Adveniat unterwegs sind und ebenfalls Menschen an ihrem Arbeitsansatz teilhaben lassen.

Hier haben wir unsere Stimme Magda geliehen, die ja selber nicht kommen konnte. Wir freuen uns aber schon auf nächste Woche, wenn wir uns dann wieder direkt mit ihr austauschen können. Dann werden wir wohl auch mal unsere Stimmen schonen können und die Dauererkältung hoffentlich mit Tee und bei wärmeren Temperaturen in den Griff bekommen…