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5 Erdbeben in 24 Stunden

Wie von vielen erwartet, bebt die Erde in den Philippinen – aber wir haben davon bisher selber nichts gespürt. Gerade haben wir noch ein Seminar in Bontoc und unsere Referentinnen kommen aus Manila. Sie stehen in Kontakt mit ihren Familien und checken inwieweit die sich auf weitere Beben vorbereitet haben: Gepackte Tasche, etwas Wasser und eine große Portion Gottvertrauen, dass doch irgendwie alles gut ausgehen wird. Seit ein paar Jahren sagen Wissenschaftler das große Beben voraus und auf facebook und anderen (social) media klingt es so, als ob es jederzeit so weit sein könnte. Die 5 Beben der letzen 24 Stunden waren alle südlich von Manila und hatten eine Magnitude um 5. Bei uns in der Cordillera haben wir nichts davon gespürt – aber wir spüren doch wie sehr unsere Referentinnen die Ereignisse bewegen: Einerseits drücken sie Gottvertrauen aus (Es wird hoffentlich nicht so schlimm werden) und dann sind sie ganz pragmatisch (wir bereiten uns darauf seit Jahren vor und wissen was zu tun ist). Und wir denken uns: Bei einem Erdbeben kann man ja nie wirklich vorbereitet sein – oder ist dieser Gedanke nur für uns so fremd, weil wir nicht gewohnt sind mit solchen Naturereignissen inklusive all der Konsequenzen zu leben?!?

Also wir bleiben jetzt erstmal in Bontoc und fühlen uns hier auch sicherer aufgehoben als in Manila. Und wir bleiben weiter in Kontakt mit den Freunden in Manila und beobachten weiter die Erdbeben- und Nachrichten-Seiten…


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Verkleidet

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Verkleidung ist wunderbar – das finden auch diese Studenten vom Bontoc-College. Sie sind Teil einer Parade zum 25. Bestehen des Colleges. Derzeit bekommen wir immer wieder die Nachrichten von Karnevals-Veranstaltungen oder einem Faschings-Umzug hier oder dort…  So ein bisschen hatten damit unsere Kids auch einen Vorgeschmack auf das, was sie in den kommenden Jahren dann in Deutschland erwartet…

Im Februar gibt es dann in Baguio noch die Panagbenga – das Blumenfest. Dazu dann wieder mehr…

Und noch ein Hinweis: All die anderen Blogberichte zu Indigenen in traditionellen Kleidern sind keine Verkleidungs-Veranstaltungen! So etwas wie School of Living Tradition, Awong Chi Gansa oder Amamong sind kulturelle / traditionelle Feste. Kein „als – ob“ oder „aus Spass“. Die leben aus einer indigenous Identity und werden wirklich gefeiert. Das wird oft verwechselt, aber hat eine andere wirklichkeits-stiftende und tradition-lebende Funktion.


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Todesstrafe

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In den Philippinen wird auf offener Strasse gemordet und es sollen jetzt schon mehr als 7.000 Menschen sein. Neben dieser Selbstjustiz oder Toten in Polizeigewahrsam wird in Manila die Todesstrafe nun offiziell diskutiert. Das alles unter dem Thema: war against drugs (Krieg den Drogen). Dazu kann man in den verschiedenen deutschen Medien unterschiedliche Artikel lesen: SZ oder Spiegel.

Wir erinnern uns an den Austausch, den wir mit unterschiedlichen Leuten letzten Oktober hatten und immer wieder die Frage: Was macht die Kirche eigentlich? Weil davon in den Medien so selten zu lesen ist, wollen wir hier mal ein paar Beispiele aufdecken:

Die Priester in unserem Vikariat haben an den Schulen und vor den Kirchen ihr politisches / christliches Statement sichtbar gemacht. Sie wollen Frieden und Gerechtigkeit und sie wollen das ohne aussergerichtliche Ermordungen und ohne Todesstrafe! Immer wieder nutzen sie ihre Ansprache am Sonntag vor den Gemeinden, um den Wert des Lebens hervorzuheben. Bischof Val hat mehrmals auf die Verantwortung der Gemeinden hingewiesen, dass sie sich der Familien in schwierigen Situationen annehmen sollen. Er selber hat eine Witwe in Kayan besucht, deren Mann nachts durch ein Sondereinsatzkommado der Polizei im Haus erschossen wurde. Und die Polizei hat er aufgesucht, damit sie Menschen festnehmen und vor Gericht bringen. Sie sollen im Dienst des Lebens stehen und nicht aussergerichtlich morden.

Einer der Theologen und Leiter des Saint Vincent Seminaries in Manila, Danny Pilario, geht jedes Wochenende zu den armen Gemeinden am Rand der Stadt / Gesellschaft. Er feiert Gottesdient, besucht die Familien, deren Familienmitglieder dem Drogenkrieg zum Opfer gefallen sind, lehrt eine aktiv(ierend)e Sozialethik der Kirche und ist aktiv auf Social Media, um diese andere Wirklichkeit aufzudecken und Menschen zu bewegen.

Bekannt ist in Deutschland auch Fr. Shay Cullen, der Initiator von PREDA (wahrscheinlich kennen die meisten die getrockneten Mangos mit dem Engel). Er engagiert sich seit Jahren mit einem Team von Ehren- und Hauptamtlichen gegen Ungerechtigkeit. Er kann viele Geschichten berichten; eine aktuelle Geschichte steht auf dem online Menschenrechtsportal der Philippinen.

Die Bischofskonferenz hat in der vergangenen Woche getagt und alle haben sich geschlossen gegen die Todesstrafe ausgesprochen.

Drei Beispiele von Einzelnen, aber auch gemeinsam und ganz offiziell vertritt die katholische Kirche ihre Werte: „Frieden und Gerechtigkeit“ in der philippinischen Gesellschaft.

Und eine weitere Herausforderung: Da bedarf es wahrscheinlich eines weiteren Blogeintrages: Kinder nicht erst ab 15 sondern ab 9 Jahre sollen nun ihre Strafe hinter Gittern absitzen…


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Schwestern

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Wenn die Schwestern in Baguio zusammen kommen, ist immer was los. Die Ordensschwestern fragen schon: Wann kommen die Kinder denn wieder?!? Und die Kinder benehmen sich dann bei ihren Besuchen fast auch schon wie daheim…

Hier ist Sr. Jima SIHM mit den Kids am Kochen. Es gibt eine typisches Gericht aus Natonin: gemahle Reisteig-Taschen. Reismehl wird mit Wasser vermischt und der Teig wird dann in ein Bananenblatt gewickelt. In einem Topf mit viel Wasser gekocht. Und die Sosse ist Kokosnusssaft (aus dem gemahlenen Fruchtfleisch einer reifen Kokosnuss gepresst – nicht die frische Milch aus der jungen Kokosnuss) mit Mascobado Zucker aufgekocht bis man das Oel abnehmen kann. Und die Kids lieben nicht nur die Vorbereitung sondern auch die leckere Merienda (Zwischenmahlzeit). Weil man es vermutlich in Deutschland nur schwer zubereiten kann, hier nochmal die Einladung an alle: Kommt auf eine Kostprobe auf den Philippinen vorbei – die Kids werden euch schon auch den Geschmack der Philippinen bringen – nicht nur kulinarisch…

Und noch etwas gelernt: In Deutschland kennt man „Viele Köche verderben den Brei“ – in den Philippinen kennt man „wenn so viele mithelfen, dann muss es ja schmecken!“ Gemeinsam kochen und essen ist hier Kultur!


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Happy Chinese New Year

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Mit einem Gockel beginnt das Chinesische Neujahr! Alles Gute und viel Segen all denen, die dieses Fest feiern!

Zur Feier des Tages wurde heute in Bontoc einer unserer Gockel zum Mittagesen verspeist. Dieses Prachtexemplar darf allerdings weiterhin unserer Henne Gesellschaft leisten. Dran glauben musste der erste Hungrige, von den drei freilaufenden Gockeln. Tja, nicht immer gilt: The early bird catches the worm! Manchmal muss man ordentlich Federn lassen, wenn man unbedingt der Erste sein will…

Christian hat den Gockel zu einem Suppenhuhn verarbeitet – ganz ohne rituelle Schlachtung – die Kids hatten somit mal wieder Naturwissenschaften und Hauswirtschaftkunde als Sonntags-Exkurs daheim. Sie haben was erlebt, haben was dazu gelernt, aber wieder kein Plus auf dem Zeugnis… Wie dumm, dass in sience nie das abgefragt wird, was gerade gelernt wurde – ein Curriculum in der Schule hat definitiv seine Grenzen (neben all seinen dienlichen Aspekten, die wir auch aus Lehrerperspektive kennen…). Ja, Erfahrungslernen ist unser Thema: in der Familie und in der Arbeit. Nicola arbeitet gerade an alternativen Modulen zu konventionellen Trainings in Richtung Erfahrungslernen – nicht nur mit Kindern sondern eben mit Eltern bzw. der Ausbildung von (Beg-)Leitern solcher Einheiten. Das hat sich Magda so gedacht, weil sie das Kinderpastoralprogramm interaktiver und partizipativer an der Basis sehen will.

In Sachen Chinese New Year macht Nicola derweilen in Baguio ganz andere Erfahrungen. Eine Parade mit chinesischer Farbenpracht! Und an vielen Orten chinesisches Essen – sogar die Schwestern bereiten Tokoy (lila Reiskuchen) zu… Da merkt man erst, wie nah die Philippinen an China liegen und wie viele Chinesen (oft business Leute) hier leben und ihre Traditionen feiern.


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[überraschend]

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Wenn wir unterwegs sind, erleben wir nach wie vor so unsere Überraschungen. Vor ein paar Monaten sind Nicola und Salome von Malicong nach Guinaang gewandert. Auf halber Strecke, an der Ortsgrenze zu Guinaang haben wir diese Feuerstelle / Opferstelle entdeckt. Uns wurde erklärt, dass beispielsweise bei Krankheit in der Familie die Ältestens sich hier treffen, rituell ein Huhn schlachten und um Heilung bitten. Zurück bleibt auf einem Stecken eine Feder und etwas Tabak. Und das machen nicht nur einige traditionelle Ältere – das ist Alltag in vielen Familien. Als wir im letzten Herbst immer wieder erkältet waren meinte unsere Kollegin Magda irgendwann: vielleicht müsst ihr jetzt mal ein Huhn schlachten. Damit meint sie nicht, dass Hühnersuppe bei Erkältung hilft. Da spielt sie darauf an, dass bei einem Ritual die Federn verbrannt werden und der Rauch auch die unguten Geister aus dem Haus vertreibt. Oder bei dem Betriebsausflug vor ein paar Tagen, wo einer der Priester eine Flasche Schnapps frisch öffnet udn eine kleine Portion auf die Erde verschüttet: Das ist der Anteil für die anderen, damit wir den Rest in der Flasche konsumieren können…

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Wer sich von den Menschen und der Natur hier überraschen lassen möchte, kann uns gerne in 2017 hier besuchen. Wir planen bis August noch hier zu sein…


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[erdbebensicher]

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Bei uns im Haus rumpst es manchmal mehrmals täglich. Die Ursache dafür liegt aber eher bei den Kindern, die im ersten Stock auf dem Dielenboden Fangen spielen, die Betten in ein Trampolin umdefinieren oder auf der Holztreppe mit den Socken ausrutschen und dann ungewollt mehrere Stufen auf einmal nehmen. Hört sich meistens schlimmer an, als es ist. Aber manchmal gibt es auch Erdbeben: Der Tisch wackelt oder das Bett rutscht oder Dinge, die hängen, fangen an zu schaukeln… In der Regel wundern wir uns über das, was wir wahrnehmen und realisieren erst im Nachklapp, dass es sich wohl um ein Erdbeben gehandelt hat. Dann schauen wir immer nochmal im Internet nach wo das Zentrum lag und wie es in den Nachbarländern in den letzten Tagen aussah…

Einmal im Jahr haben die Kinder Erdbeben-Training in der Schule. D.h. sie lernen über mehrere Tage das richtige Verhalten im Ernstfall und dann ertönt am Ende der Woche das Signal in ganz Bontoc und alle Kinder verhalten sich wie im Ernstfall. Debora war dieses Jahr zu Hause, doch auch als sie die Sirenen gehört hat, hat sie sich schnell unter den Esstisch gesetzt…