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Kinderprogramm

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Was machen eigentlich unsere Kinder während eines Trainings? Also für die gibt es kein Programm, das machen die sich selber. Während wir also letztes Wochenende Training für Ehrenamtliche im Kinderpastoralprogramm hatten, sind diese Bilder entstanden. Oben ist Grace zu sehen; sie war früher unser Kindermädchen, bis sie eine Fortbildung zur Katechetin gemacht hat. Jetzt ist sie unsere Praktikantin im Familienpastoralteam. Und sie versteht es während unserer Trainings die Pausen mit Kinderprogramm zu füllen und nebenbei Kontakte zu den Ehrenamtlichen zu knüpfen.05.27.2017PCCtraining7.JPG

Wir hatten Seifen in Tabuk bei dem Projekt unserer COMUNDO Kollegin Laura gekauft und die Seifen sollten unseren Ehrenamtliche Lust auf das Training im Juli machen: PCC Assembly und handgemachte Seife als einkommenschaffende Maßnahme. Und weil unsere Trainings selten theoretisch sondern eher praktisch angelegt sind, kam Seife auch gleich mal zum Einsatz. Der Rafael war ganz begeistert von der Abkühlung, denn Paracelis ist wirklich heiß. Und die Ehrenamtlichen waren begeistert von Rafael und der anschaulichen Einheit zu Babyhygiene…

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Ansonsten ist Rafael entspannt mit dabei und hängt ab – entweder in Hängematten oder auf irgendeinem Arm von uns, unseren Kolleginnen oder Ehrenamtlichen…

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Auch Debora organisiert sich selbständig zwischen den verschiedenen Veranstaltungsorten und mit den unterschiedlichen Menschen die so unterwegs sind.

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Ein Spielzimmer gibt es nicht, kein mitgebrachtes Spielzeug und schlechtes Wetter hat es auch nie. Es ist immer Platz zum Spielen und unter so einem Regenschirm macht es auch Spaß gemeinsam unterwegs zu sein. In Flipflops läuft das Wasser immer gut ab und die Klamotten trocknen ruck zuck in Paracelis – dort ist es immer viel zu heiß… Vielleicht ist das dann auch schon die Vorfreude auf…

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… (ohne Worte)

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Salome hat im Kräutergarten Malungay entdeckt, der als Wundermittel gegen Mangelernährung eingesetzt wird. Das weiß sie, weil sie den Sternsinger-Film von Willi Weitzel und der Pastoral da Crianca in Zambales gesehen hat. Und der hat eben von Ernährungsprogrammen in den Philippinen berichtet, wo Malungay immer wieder erwähnt wird… Das ist übrigens nicht nur gesund sondern schmeckt auch im Reis!

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Und ansonsten haben unsere Kinder nach so einem Arbeitswochenende jede Menge neuer Freunde, die sie nicht alle beim Namen kennen, aber eine Erinnerung bleibt: Wir haben zusammen gespielt, etwas geteilt, gemeinsam gegessen, zusammen gesungen, etwas aus den Blättern vom Mangobaum gefaltet…

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Achterbahn-Gefühle

10.28.2016AchterbahnGefühle.jpgWie fühlt es sich an, von der Europatour nach Bontoc heim zu kommen? Kurz: Unsere Gefühle fahren Achterbahn (oben im Bild sitzt Tabea mitten drin und Salome und Debora schauen zu – auf dem Memminger Jahrmarkt) und wir hoffen / befürchten, dass diese Gratisfahrt auf dem blog von uns für euch einiges an Zeit und Nachdenken kosten wird und es wird sicherlich auch unbequem…

Wir fühlen

DANKBARKEIT für Nachbarschaftshilfe: Während unserer Abwesenheit haben sich Aunty Gloria, Aunty Grace und Oncle Carlito um Haus, Garten und Tiere gekümmert. Das Haus war geputzt, die Wäsche gewaschen, der Anbau ausgewischt, der Wassertank gefüllt. Der Garten ist aufgeräumt: Die verwehten Blätter der Papaya aufgesammelt und es hängen sogar noch drei kleine Papayas; eine Banane hat es völlig zerlegt und der Rest scheint sich zu erholen. Leider sind dem Aufräumaktionismus die Rosen, der Basilikum, die Blumen, die Aloevera, zahlreiche Chili-Pflänzchen, Teile der Dragonfruit zum Opfer gefallen – aber wächst ja wieder – nächste Regenzeit ab April. Der Hund hat uns stürmisch begrüßt und im Hühnerstall saßen der Gockel und das Huhn auf Eiern im Nest. Die drei Küken sind stattlich gewachsen und haben sich selber in den Kaffeebaum unterhalb des Hühnerstalls ausgewildert. Wir sind dankbar, dass Haus und Garten bei dem schweren Taifun so glimpflich davon kamen und dass wir so tolle Nachbarn haben. Die auch heute schon alle vorbei kamen und denen wir ein kleines Pasalubong (Mitbringsel) mitgebracht hatten.

ZUGEHÖRIGKEIT dank des herzlichen Willkommens unserer Kolleginnen: „Wie haben euch die Menschen vor Ort denn aufgenommen?“ wurden wir in Deutschland immer wieder gefragt. Und ganz frisch können wir sagen: Wir wurden wieder herzlich willkommen geheißen! Dazu als Erinnerung: Anders als die Menschen im Tiefland sind die Menschen in den Bergen weniger emotional ausdrucksstark und eher wortkarg. Da finden wir es bemerkenswert, wenn die Kolleginnen sagen: welcome back / we missed you / good to have you here again / we are looking forward to continue working with you / I still have so many plans to realize with you… das sind hier keine aufgesetzten Floskeln, das kommt mit einem breiten Lachen und einer herzlichen Umarmung von innen.

ZUVERSICHT dank Bischof Val: Vor unserer Abreise in Deutschland haben uns die Bilder vom Typhoon auf facebook, in den Nachrichten und you-tube sehr aufgewühlt und nachdenklich gestimmt: Wie geht es den Menschen vor Ort nach dem Typhoon und wie kommen wir wieder nach Hause? Die gleichen Fragen haben auch Bischof Val beschäftigt und seine Haltung dazu: „Da ist immer ein Weg.“ Damit hat er auf die Widerstandskraft der Menschen vor Ort angespielt, die dank des Gemeinschaftsinns Wege finden, um Menschen und Güter zu bewegen. Aber da schwingt auch sein eigener Anspruch als politischer Kirchenmann mit: Ich will mich mehr dafür einsetzen, dass es neue politische Richtlinien gibt bzw. die bestehenden so befolgt werden, dass Politik den Menschen in Gemeinschaft und der Umwelt dient und diese nicht ausnutzt. Kurz: Die Anpassungsfähigkeit der Menschen ist gut nach einer Katastrophe, aber es muss uns eine Lehre sein, dass wir uns nicht in Zukunft in solche Bedrängnisse bringen lassen, sondern dass Pläne / Bauvorhaben / politische Entscheidungen schützend wirken und dass sich Entwicklung bedacht ereignet.

WELTVERBUNDENHEIT dank social media: Bei face-book haben viele Menschen Gesicht gezeigt. Wir haben die Solidarität gespürt von Familie, Freunden und anderen Personen von Organisationen mit denen wir medial verbunden sind. Ein Gedanke, ein Wunsch, ein Emoticon… aus Deutschland, England, Kosovo, Malaysia etc.

UNTERSTÜTZUNG dank Internationaler Entwicklungs-Zusammenarbeit: Während Entwicklungshilfe vor Jahren noch eine Einbahnstraße war (der globale Süden bittet den globalen Norden um Hilfe) manifestiert sich internationale Entwicklungszusammenarbeit heute als eine Brücke, die von beiden Seiten begehbar ist. Das haben wir in den letzen Wochen immer wieder bei MISSIO erlebt: JA wir wollen für Pastorale Projekte in den Philippinen spenden und JA wir wollen von euren Pastoralen Erfahrungen in den Philippinen hier in Deutschland lernen.

Bemerkenswert sind Die Sternsinger! Die haben wir im vergangenen Jahr besucht und sie haben uns an das Kinderpastoralprogramm in den Philippinen vermittelt – das mittlerweile in einer unserer Gemeinden erfolgreich läuft. Davon hat Bischof in diesem Jahr selber in Aachen berichten dürfen. Das ist noch nichts besonderes zwischen Partnern in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Bewegt hat uns dann eine E-mail-Initiative von den Sternsingern an Bischof und uns, die sich wie folgt zusammenfassen lässt: Wir haben vom Typhoon gehört und können uns nur schwer die Zerstörung vorstellen. Wir sind keine Nothilfe-Organisation zum Aufbau von Häusern wie die Caritas, aber wir sind bereit euch bei notwendigen Programmen für Kinder in den betroffenden Regionen zu unterstützen.

Da lesen Partner in Europa nicht nur Nachrichten sondern machen eine Tür auf und bieten Unterstützung im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Richtlinien an. Gelungene Internationale Entwicklungszusammenarbeit buchstabiert sich nicht nur professionell durch Anträge von Süd nach Nord aus, sondern hat darüber hinaus die Menschen in ihren konkreten Situationen im Blick und reagiert initiativ von Nord nach Süd.

SICHERHEIT dank AGEH-Coach: Wir sind der AGEH sehr dankbar, dass sie uns seit vier Jahren einen Coach an die Seite stellen, der mit uns immer wieder das Thema Sicherheit von unterschiedlicher Seite beleuchtet. Gerade in Stressituationen fehlt uns die Objektivität und vor allem scheinbar die Zeit, sich nochmal anders mit dem Thema auseinander zu setzen. Da sind wir sehr dankbar, dass wir einen Coach haben, der nicht nur auf unsere Anfrage hin reagiert, sondern vor allem in Krisen da ist, wenn wir scheinbar gerade keinen Kopf für Coaching haben. So auch seine Initiative kurz vor unserer Rückreise und der Frage wie / ob wir nach Hause gehen…

  • Ihr als Eltern wollt nach Hause, wo keine Straße offen ist, es keinen Strom und keine Kommunikation gibt – wollen das auch eure Kinder? Jetzt – oder vielleicht ein bisschen später?
  • Ihr wollt solidarisch mit den Nachbarn und Partnern unterwegs sein, aber hilft das denen gerade jetzt, wenn sie sich auch noch bei all den eigenen Sorgen sich um euch auch noch sorgen müssen?
  • Wenn ihr euch selber aus einer jetzt sicheren Situation in eine aktute Risiko-Situation bewegt, wo gibt es institutionelle Unterstützung (AGEH, Versicherung etc.) im ungünstigsten Fall in einem zusätzlichen Notfall unter diesen bereits verschäften Bedingungen (wie viel mehr ist der LSP belastbar?)
  • Trefft eine Entscheidung als Fachpersonen, Eltern und vor allem zusammen mit euren Partnern vor Ort, die euch und die Situation kennen.
  • Und das Wichtigste: Als Coach stehe ich euch zur Seite, meldet euch, ich melde mich auf jeden Fall wieder und verfolge aufmerksam euern blog / facebook.

Gleich nach unserer Rückkehr in Manila haben wir an einem Landestreffen teilgenommen: Im Jetlag und Kulturschock zwischen den Welten. Es gab direkten Austausch mit den anderen Fachpersonen im Land, darüber wie sie sich derzeit organisieren, unterwegs sind und kommunizieren. Auch darüber wie sie institutionelle Unterstützung während des Ernstfalls erlebt haben. Und wir haben gesehen, wie sie mit ihren lokalen Partnern unterwegs waren und wie die Partner neben ihnen stehen. So erleben wir auch immer wieder unsere lokalen Partner als starke Stütze an unserer Seite „in guten wie in schlechten Zeiten“. Es ist weniger eine Frage nach: Was ist unser Notfallplan sondern Wer ist unser Notfallplan vor Ort / zu den Menschen mit denen wir uns verbunden fühlen.

Wir sind die Rückreise zusammen mit Manong Richard im Bischofsauto und mit unserer Kollegin Magda angetreten. Es ist gut, dass wir nun wieder zu Hause sind. Und wir sind dankbar, dass unser Lokaler Sicherheitsplan dank unserem Coach nicht nur ein Stück Papier ist, sondern uns bei Entscheidungen hilft die Lage von verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und bedacht vorzugehen.

WIDERSTANDSKRAFT trotz Typhoon Lawin: Wir sehen wie resilient und anpassungsfähig die Menschen in der Cordillera sind. Sie waren vorbereitet auf diesen Typhoon oder wie es unser Nachbar Tudlong jr. gesagt hat „Wir haben unsere Lektion von Yolanda in den Visayas gelernt. Unsere Emergency Response Teams haben die Menschen vorbereitet und es hat niemanden in der Mountain Province das Leben gekostet.“ Der Klimawandel, ausgelöst und beschleunigt durch die Länder im globalen Norden, bringt die Länder des Südens immer öfter in noch bedrohlichere Situationen. Uncle Carlito meinte heute: „Ich kann mich nicht an einen so starken Typhoon erinnern, der so viel zerstört und solche Wassermassen bewegt hat.“ Die Stärke der Menschen in der Cordillera ist ihre Naturverbundenheit und das noch weitgehend intakte Ökosystem in den Bergen, dass noch starke Stürme abbremsen kann. Ihr Gemeinschaftssinn räumt Verwüstung auf und überbrückt zerstörte Infrastruktur.

Bemerkenswert finden wir hier noch, wie angepasst sich auch hier unsere Kinder bewegen: Die Brücke in Sabangan ist zerstört, eine Weiterfahrt im Auto nicht möglich, also steigen sie aus und benutzen wie alle anderen einen schmalen Bambussteg über den Fluss. Statt Schuldige zu suchen oder sich über die Situation zu beschweren und stecken zu bleiben, schauen sich unsere Kinder die Anpassungsfähigkeit der anderen ab und beweisen selber Widerstandskraft.

ZWEIFEL beim Anblick unseres Hauses: Wie oben beschrieben ist alles sauber und scheinbar wie sonst im Chocolate House. Allerdings fällt unsere Mosquito-Blechtür nicht mehr wie gewöhnlich zu und beim zweiten Schloss an der Holz-Haustür lässt sich nicht mehr der Riegel zuschieben. Je länger wir darüber nachdenken desto mehr kommen wir zu dem Schluss, ob sich nicht vielleicht das Haus als solches ein Stück bewegt hat und sich dadurch Tür und Rahmen verzogen haben. Wenn sich hier nichts weiter bewegt, werden wir trotz Zweifel wohnen bleiben, aber einer möglichen Nachfolge aus der Schweiz oder Deutschland im nächsten Jahr empfehlen wir, sich eine andere Bleibe zu suchen. Zweifeln an der Sicherheit des Hauses trägt nicht zu einem Lebens-Mehr-Wert bei.

SORGE beim Anblick der Markpreise: Unsere Lebenskosten haben sich schlagartig verdoppelt. Das ist krass für uns und ein Desaster für den Geldbeutel unsere Nachbarn. Kerzen haben während des Stromausfalls nicht 35 sondern 70 Peso gekostet, für ein Kilo Kartoffeln zahlen wir nicht 40 – 60 Peso sondern 120, sogar der billige NFA Reis kostet keine 27 Peso sondern mehr als 30 (das ist das Grundnahrungsmittel und wird Sackweise von Familien eingekauft und konsumiert – da summiert sich jeder Peso per Kilo rasant). Etwas beruhigt waren wir, als mehrere Boxen Medikamente für die Apotheke mit uns den Fluss überquert haben. Wir fragen uns, wie die wirklich unhandsamen Dinge nach Bontoc kommen: Gasflaschen für den Herd, Diesel für die Fahrzeuge, Sauerstoffflaschen fürs Krankenhaus… Wir hören schon unseren Bischof: Die werden einen Weg finden… Und dann unser deutsches: Ja, aber…

UNGEWISSHEIT bezüglich der Lebenssituation in den unterschiedlichen Gemeinden: Als nächstes werden wir wohl Kontakt zu den Freiwilligen im Kinderpastoralprogramm in Paracelis suchen. Die Region grenzt an Isabela und liegt somit am Bergrand und war dem Sturm ungeschützt ausgeliefert. Die Menschen hängen von Mais-Monokulturen ab, die sich durch Kredite bei Banken finanzieren. Eine zerstörte Ernte ist ein finanzielles Desaster und treibt Familien in die Verschuldung / Armut. Unsere 30 Freiwilligen arbeiten bereits mit über 170 Familien in denen Mangelernährung ein Thema ist – und wohl auch erstmal bleiben wird. Magda wusste bereits, dass die neuen (Kräuter)Gärten in zwei Gemeinden zerstört sind. Da werden wir also wieder bei Null anfangen. Und das nicht zum letzen Mal, denn der Klimawandel wird öfter starke Typhoone über die Region ziehen lassen, dessen sind sich Klimaforscher sicher. Magda hat bereits um eine Nachfolge in der Schweiz für uns mit dem Schwerpunkt Kinderpastoralprogramm Paracelis incl. einkommensschaffender Maßnahmen (alternativer Anbau / Vermarktung von ökologischen / fairen Produkten) gebeten. Die Ordensgemeinschaft vom Kinderpastoralprogramm sucht eine neue Bleibe als Außenstation und Bischof Val hatte bereits in Deutschland anklingen lassen, dass er sie gerne in die betroffene Region einladen möchte. Paracelis wird wohl das Armenhaus der Mountain Province bleiben, aber hoffentlich in den nächsten Jahren mehr personelle Unterstützung bekommen und Strategien entwickeln, wie die Lebenssituation sich trotz heftigerer Herausforderungen stetig verbessern kann.

WUT auf korrupte Bauunternehmen und Politiker: Die Infrastruktur ist zerstört und wir leben nun isoliert vom Tiefland. Die Brücke zwischen Samoki und Bontoc ist nicht mehr befahrbar (weil sie nicht stabil genug gebaut wurde, weil im Fluss weiter unten Sand geschöpft wurde, weil die lokalen Behörden dies nicht verhindert haben, weil der Typhoon eben so stark und die Strömung vom Fluß ungeheuerlich war, weil…). Die provisorische Brücke zwischen Bontoc und Sabangan ist ganz weg und die Brückenbauarbeiten für die neue Brücke noch nicht weit genug fortgeschritten. Straßen sind entweder ganz weggebrochen und in den Abhang gestürzt oder Erdrutsche haben Stützmauern auf die Straße gerissen. Dieses Bild erstreckt sich über Kilometer hinweg. Wir waren schockiert und haben noch nie zuvor so viele Straßenschäden auf der Heimfahrt gesehen. Manche Gemeinden haben es bereits geschafft Straßen zu säubern, aber die Erdhaufen am Straßenrand erzählen viel. Und manns- bis haushohe Felsbrocken auf der Straße lassen uns die Sprache verschlagen. Das wohl gemerkt auf der Hauptverbindung zwischen Baguio und Bontoc. Wir können uns nicht vorstellen wie die Verhältnisse in den abgelegenen Ortschaften sind, d.h. die Substanz der Straßen, Brücken und Mauern konnte der Belastung durch die immensen Wassermassen nicht standhalten. Bischof Val und seine Social Action Teams in den Gemeinden haben die vergangenen Jahre versucht solche Bauarbeiten zu monitoren und Mängel aufzudecken, damit genau solche herausfordernden Wetterbedingungen die Menschen nicht von ihren Zugangsstraßen abschneiden. Aber es waren immer auch selbstsüchtige Interessen der Bauunternehmen und Politiker im Spiel. Geld ist nicht in Zement und Substanz geflossen sondern es wurde dort gespart, um eigennützige und eben nicht gemeinnützige Kosten zu decken.

OHNMACHT beim Anblick unserer enttäuschten Kinder: „Mama wann feierst Du mit mir meinen Geburtstag nach?“ (Während des arbeitsreichen MISSIO-Einsatzes haben wir Salome versprochen ihren Geburtstag als Familien in Bontoc nachzufeiern). Die ernüchternde Antwort: „Keine Eier – kein Kuchen“. Unseren gewählt einfacher Lebenstil erfahren wir gerade als sehr einschränkend und das Geld auf unserem Bankkonto ändert gar nichts an der Auswahl der Produkte auf dem Markt. Gelebte Solidarität ist kein schönes Trendwort für unseren Lebensstil sondern hat Konsequenzen für uns und unsere Kinder und denen tut das eben auch weh oder macht sie wütend. Sie haben soeben Urlaub in der sogenannten Ersten Welt gemacht, in der scheinbar alles für Geld zu haben ist und zwar immer auf Wunsch: Pudding, Götterspeise, Kuchen, Weißwurst, Brezeln… Und sind nun zurück in unserem Alltag im gobalen Süden, wo die Umwelt und die Menschen den Preis für einen oftmals maßlosen, konsumorientierten Lebensstil des globalen Nordens zahlen. Unsere Kinder erfahren wie ungerecht es in der Welt zugeht. Salome wünscht sich übrigens keine Eier – es wäre auch zu einfach Eier-Ersatzpulver in einem Päckchen zu verschicken. Als sie gehört hat, dass sich gerade wieder Tiefdruckgebiete über den Pazifik organisieren, war ihr wütender Wunsch sehr deutlich „Ich will keinen Typhoon mehr, der so viel kaputt macht!“ Dieser Wunsch lässt sich nicht so schnell backen und die Ohnmacht lässt uns nicht in Ruhe: Wie können wir den Kindern vermitteln, dass wir durch unseren gewählten Lebenstil dazu beitragen wollen, damit sich genau dieser Wunsch erfüllt? Ein Leben in Fülle für alle ist unsere gelebte Vision / Mission. Veränderung beginnt laut Ghandi bei uns selber und über das Zitat bin ich eben gestolpert: We are what we (repeatedly) do. Excellence, then, is not an act, but a habit.

UNGERECHTIGKEIT durch ignorante Medien: Der Super-Typhoon Yolanda, der in den Visayas so viel zerstört und so viele Menschenleben gekostet hat, hatte es international in die Medien geschafft und eine Spendenwelle ausgelöst. Der Super-Typhoon Lawin, der über unsere Region gezogen ist, so viele Lebensgrundlagen (Infrastruktur und Ernte) zerstört hat und auch Menschenleben in den Nachbarprovinzen gekostet hat, fand kaum Erwähnung in den internationalen Medien. Damals haben wir Interview-Anfragen von verschiedenen Organisationen und Spenden-Angebote von verschiedenen Seiten erhalten. Unsere ernüchternde Erkenntnis: Scheinbar reagiert die Szene der internationalen Organisationen nur, wenn entsprechend Medienpräsenz da ist und es sich auch spendentechnisch lohnt auf das sinkende Schiff aufzuspringen und von der Katastrophe entsprechend zu profitieren. Die Meldungen von uns Fachpersonen über unsere facebook accounts und unsere blogs, das was wir über verschiedene institutionelle und private Kanäle versuchen zu teilen, verhallt scheinbar ungehört und bleibt überraschend oft ungesehen und unkommentiert. Die Ignoranz der verschiedenen Medien empfinden wir als ungerecht. Eine gute Geschichte muss sich scheinbar nur für die Auflagezahlen oder Spendenabteilung lohnen und hat keinen Wert als Bildungsbeitrag. Dabei könnte da von den Erfolgen bzgl. Desaster Preparedness und Emergency Response (Katastrophenschutz) erzählt werden. Und die schleichende Not im Alltag und der Ernteausfall wird es wahrscheinlich auch erst in die Medien schaffen, wenn es viele Menschenleben kostet und Erwähnung in den internationalen großen Medien findet. Die selektive Wahrnehmung durch die ignoranten Medienabteilungen verschiedener internationaler Organisationen frustriert uns und lässt uns zweifeln, ob wir denn wirklich Brücke sein können. Was für ein kleines Sprachrohr sind wir und wie viel können wir wirklich von der Lebensrealität der Menschen aus dem Süden im Norden teilen?!?

Hoffentlich ist diese Achterbahnfahrt unserer Gefühle nicht zu einer Geisterbahnfahrt mit der Moralkeule im Nacken geworden. Die Kommunikationsexperten nach Rosenberg erkennen den verdrehten / vereinfachten Dreischritt: Das hier waren Schritt 1) Gefühle und Schritt 2) Wahrnehmungen, die eben diese Gefühle auslösen inkl. einer Wert-Schätzung. Jetzt noch Schritt 3) Wünsche.

Wir wünschen uns Verständnis dafür, dass auch wir manchmal die Luft rauslassen müssen und zwar emotional aufgeladen, ganz frisch und ungefiltert. Und wir wünschen uns Veränderung: Mit uns, mit den Menschen hier und weltweit. Ja, wir sind Idealisten, wollen (Lebens-)Weltverbesserer sein und für uns gibt es dazu keine Alternative. Und wir können nur appellieren: Die Welt braucht mehr Menschen und Organisationen, die sich mit Menschen in der Welt nicht nur professionell auseinander setzen, sondern zwischenmenschlich in Beziehung setzen. Und auf vielfältige Weise ihre Solidaität und den Wunsch nach Veränderung zum Ausdruck bringen:

  • durch Spenden und mehr noch durch bewussteren Konsum von Gütern / Dienstleistungen. Wir wollen mitwirken an der Vision von einem Leben in Fülle für alle.
  • durch den bewussten und schlicht bedarfsorientierten Verbrauch von Ressourcen (einfache Übung: sich ruhig in die Konsumfalle im Kaufhaus / Supermarkt locken lassen und dann die Dinge aus dem Korb doch wieder ins Regal stellen: Ich kann es mir leisten, aber ich brauche es nicht. Ich habe vor der Abreise drei Kindergesellschaftsspiele zurück ins Regal gestellt und was Du?). Buchtipp: Einfach die Welt verändern. Oder die englische Variante der ehemals Bewegung: „We are what we do“ und jetzt (überraschend anders) shift for behaviour change
  • durch Aufmerksamkeit und Zugewandsein als professionelle Mitarbeiter in Organisationen oder Medien und schlicht zwischenmenschlich sorgend. Nicht nur den großen fetten Schlagzeilen folgen, sondern gerade dort hinschauen / hinhören wo es nötig ist, weil eben „die Großen / Lauten“ das nicht tun und signalisieren, dass man das tut weil eben jedes Leben / Schicksal gleich viel wert ist – das kommt hier vor Ort bei den Menschen / unseren Projektpartnern tatsächlich gut an. Schlicht nach dem alten Post-Motto: Schreib doch mal wieder!

In diesem Sinne: Danke all denen, die es bis zu diesem Satz geschafft haben. Danke für was immer der Anlass war, unseren Gefühlen und Lebens-/Arbeiswirklichkeiten und Wünschen entsprechend Raum und Zeit zu geben.


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WW Unterwasserwelt

08.15.2016WWUnterwasserwelt

ich leibe schnorcheln“ Salome und wenig später „Ich möchte Meeresbiologin werden!“ (ok, das ist die Kurzfassung von der langen Geschichte was sie in Zukunft denn so machen möchte…)

Hintergrund: Während andere in den Ferien eine Radtour machen oder zum Ski-fahren gehen, geht es für uns an den Strand. Weil wir an einem steilen Hang wohnen, haben wir keine Fahrräder und weil es hier immer warm ist, gibt es nie die Gelegenheit für Wintersport. Deshalb ist unser Hobby schnorcheln. Vom Strand selber sehen die Mädels nicht so viel, denn die meiste Zeit stecken sie den Kopf unter Wasser. Mit dem Schnorchel und Tauscherbrille entdecken sie viele Muscheln, Steine, Seesterne, Seepferdchen, Fische und Pflanzen – manchmal leider auch Müll. Diesen Sommer waren wir zwischen vielen anderen Terminen leider nur zwei Nächte am Meer, aber wir haben den Strand von Zambales genossen! Dies ist nun unser letzter Beitrag zu all dem, was uns so über den Sommer und das Jahr hindurch glücklich macht. Tabea taucht nun von der digitalen Welt in den Alltag ab. Was Tabea sonst noch so glücklich macht, kann man in den unzähligen WW-Beiträgen der letzten Wochen und in dem Kindermagazin Weite Welt nachlesen.

 


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DEJA VU

06.09.2016DEJAVUE.JPGWer seinen Einsatz-Vertrag verlängert, erlebt auch manche Ereignisse nicht nur einmal sondern ein zweites Mal. Vor drei Jahren wurde die Straße oberhalb unseres Hauses komplett gesperrt und wir hatten einen Sommer lang keine Wasserlieferung für den Brauch-Wassertank. Jetzt wird die Straßenzufahrt zu unserem Haus etwas weiter unten  wieder gesperrt – mit dem Unterschied: Wir haben gerade Regenzeit, d.h. die Straße hat es auch bitter nötig, denn wenn es regnet, weigern sich Tricycle-Fahrer unser Haus anzufahren. Die Straßenverhältnisse verschlechtern sich mit jedem Regentag und wir freuen uns auf eine zukünftig holperfreie Straße. Dank der Regenzeit dürfte diese Straßensperrung auch besser zu überbrücken sein. Wir sind wieder an das Wasserleitungssystem der Nachbarschaft angeschlossen und hoffen nicht auf zu lehmiges Oberflächen-Quellwasser. Ansonsten kommen ganz viele Erinnerungen an den Sommer 2013. Diesmal sind wir aber besser vorbereitet: Wir haben einen Vorrat für die nächsten 6 Wochen angelegt, damit wir wirklich nur das nach Hause tragen müssen, was wir immer wieder frisch brauchen: Trinkwasser, Obst, Gemüse.

Ach ja, das Datum für die Straßensperrung hat sich schon dreimal nach hinten verschoben, aber zum Schulbeginn soll es nun wirklich losgehen…


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Typhoon Lando

10.18.2015TyphoonLandoklein

Es stürmt und regnet! Wir sind gerade auf der Heimreise nach dem AGEH Asien-Fachkräfte-Treffen in Bali und ein Ankommen ist noch nicht in Sicht. Der Typhoon Lando macht gerade unserem Heimweg zur scheinbar „never ending story“ und es ist auch nicht mehr lustig…

Am Samstag haben wir gegen 10 Uhr frühs den Tagungsort verlassen. Der erste Flieger hatte schon Verspätung und so mussten wir auch nicht lange auf den Anschlussflug warten. In Manila hatte es abends um 21 Uhr schon Sturmwarnung und Signal #1 (die niedrigste Warnstufe). Der Kapitän ließ verlauten: „In wenigen Minuten setzen wir zur Landung an; falls es zu einer Evakuierung kommt, sollen alle Habseligkeiten vernachlässigt und nur den weiteren Anweisungen Folge geleistet werden.“ – Das haben wir so auch zum ersten Mal und hoffentlich letzten Mal gehört – verlief aber alles glimpflich. Das weitere Prozedere ist uns vertraut: Das Einreiseprozedere und dann als Letzte die Rucksäcke vom Band holen. Rein ins Taxi und zum Busbahnhof. Dort in den noch wartenden Überlandbus (los gings um 22:30 Uhr) und versuchen die Nachfahrt zu verschlafen. Bis dann auf dem letzten Stück immer wieder Baumschäden die Straße versperrt haben. Baguio hatte nämlich schon Sturmwarnung und Signal #2. Weil sich alles verzögerte, konnten wir in der Morgendämmerung auch gleich zum nächsten Busbahnhof und dort erstmal frühstücken. Glücklich haben wir um kurz nach 6 Uhr vier Tickets gekauft, die wir allerdings kurze Zeit später wieder zurück gegeben haben: „Sorry, mein Chef hat soeben alle Busse für den Tag gestrichen.“ Also haben wir unser Gepäck erstmal in einem Hotel abgestellt und haben den Kindern etwas Auslauf in einem Einkaufszentrum verschafft. Über Nacht hat die Regenintensität dann etwas zugenommen und die Sturmstärke ebenfalls. Da es in den Morgenstunden den Regen durch das geschlossene und leider etwas undichte Fenster in unser Zimmer gedrückt hat, sind wir innerhalb des Hotels nochmal umgezogen, denn in Baguio ist die Sturmwarnung von #3 auf #2 erst langsam im Laufe des Tages runtergestuft worden. Das Schild, das wir beim Frühstück noch schaukeln gesehen haben, ist bis zum Mittag halb heruntergefallen, die Fensterscheiben am Haus gegenüber hat der Wind zerschlagen, Hausverkleidungen liegen auf dem Gehweg, Bäume und Grünzeug liegen am Straßenrand… Mittlerweile unzählige SMS geschrieben und empfangen: Die einen sind verschont geblieben, die Nächsten sind samt Haus baden gegangen, andere stecken in einem Erdrutsch nach dem anderen, die Nächsten schaffen eine Halbtagestour doch noch bis zum Abend… Wir haben einen zweiten Tag in einem Einkaufszentrum verbracht (dort werden mittlerweile Aufwischer auf allen Ebenen und im Dauereinsatz beschäftigt – siehe Foto oben) und hoffen, dass morgen wieder ein Bus nach Hause fährt und wir unsere Heimfahrt vielleicht nach mehr als 72 Stunden beenden können – denn in Bontoc hat es nur etwas Nebel gehabt und es ist trocken, leider sind wir in Baguio stecken geblieben…


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Wassernixe

07.30.2015WassernixenreichDie wasserreichen Tage sind nicht nur arbeitsreich sondern auch erholsam. Die Temperaturen sind erträglich und wenn die Sonne raus kommt, ist es in den Bergen mit den Wolken noch schöner und die Wälder und Gärten und Reisterrassen noch grüner.

07.30.2015Wassernixe107.30.2015Wassernixe207.30.2015Wassernixe3

Und Debora ist noch glücklicher, denn sie liebt das Gratiswasser: Hände waschen, Haare waschen, Füße waschen und dann wieder von vorne: zu Hause, auf dem Schulhof, vor der Kirche…